Der Zähringer Löwe

 

Deutsche Kaufleute expandierten im 12. Jh. verstärkt im Verbund in den Ostseeraum hinein. Die Feudalherren und vor allem die Erwerbungen des Deutsche Ordens, auch Deutschherren- oder Deutschritterorden genannt, bereiteten ihnen ab Ende 12./Anfang 13. Jh. den Boden dafür vor. 

Alt-Lübeck, als Kaufmanns- und Handwerkersiedlung aus der Mitte des 11. Jh., bestand dort an der Mündung der Trave als slawischer Handelsplatz. Kriege zwischen deutschen und slawischen Feudalherren vernichteten die Siedlung. 1143 wurde der Handelsplatz vom Grafen Adolf von Schaumburg wieder errichtet und zur civitas Liubice = Lubeke, zur Stadt erhoben. 
Das Aufblühen Lübecks weckte das Interesse Heinrichs des Löwen. Nach einem Abbrand der alten Siedlung, trotzte der Herzog seinem Lehnsmann, Graf Adolf, dessen Territorium ab und gründete um 1159 Lübeck, die so genannte Löwenstadt. Damit begann die Expansion niederdeutscher Kaufleute ins Baltikum.    


Etwa um 1226 wurde die Stadt Wismar gegründet und 1229 urkundlich erwähnt. Frühere Namen waren Wismaria oder Ort des Vysěmêr oder Visemêr. Mehrere Namensänderungen führten 1246 hin zu Wismaria. Bekannt war Wismar bereits ab 1147. Die Menschen, die hier angesiedelt wurden, stammten aus Holstein, Westfalen, Niedersachsen und der Mark.

Erste urkundliche Erwähnung der Stadt war das Jahr 1229. Franziskaner kamen ab 1252 und Dominikaner ab 1293 nach Wismar. Kurze nach 1229 führt Wismar das Lübische Stadtrecht ein. Mit dem Zuzug von Siedlern waren ab 1250 mehrere Siedlungen zusammengewachsen und die Stadt erhielt eine "Neustadt" und errichtete eine Stadtmauer. Jetzt wohnten und arbeiteten etwa 5000 Einwohner in der Stadt. Um 1280 bildete Wismar zusammen mit Stralsund, Rostock, Lübeck und Hamburg den Wendischen Städtebund.        

 

 

 

 


Wismarer Siegel von 1260

Der Kaufmann  

Es waren gefährliche Zeiten für einen Reisenden, erst recht für einen Kaufmann mit seinen kostbaren Handelsgütern. Das galt für den Landweg, wie für den Seeweg. Solche Reisen waren trotz verkündeter Gottes- und Reichslandfrieden für Kaufleute obendrein noch kostspielig, weshalb sie nach Schutz und Privilegien für den Transport und den Verkauf ihrer Waren verlangten. Aus diesem Schutzinteresse bildeten sie in der Folgezeit so genannte societas = kumpanie, also Gesellschaften, um auch gegen die Macht der Städte mit ihren hohen Zöllen gewappnet zu sein.
Diese Societas boten Vorteile durch mehrere Teilhaber an Schiffen und Handelsunternehmen und minimierten so das Risiko des Verlustes; der Kaufmann verlor i.d.R. nur seinen eigenen Anteil am eingebrachten Kapital. Dort, wo der Kaufmann nicht mehr Kapitän seines Schiffes war, sondern ein angestellter Schiffer, übertrug er Anteile am Schiff auf ihn. Der Schiffer konnte dann auf eigenes Risiko Geschäfte tätigen. 



Hansekaufleute

Aus einem Schuldbuch:

Johann van Brake übergibt Hinric van Wismar 12 Mark lübisch, mit denen er bis kommenden Martini Handel treiben soll. Das Geld soll keinen Schaden nehmen und am genannten Fest soll Hinric dem Johann sein Geld wiedergeben. Was aber in der Zwischenzeit sich an Gewinn ergibt, davon soll Hinric ein Drittel geben; von den 12 Mark lübisch soll Hinric keine Unkosten bestreiten. 

In einem Schuldbuch hielten die Kaufleute ihre Beteiligungen fest. Diese kumpanie zeigt, dass es auch Beteiligungen mit ungleichen Kapitaleinlagen und speziellen Gewinnverteilung gegeben hat. 

 

 


Ein Kaufmann vor Heringsfässern aus holzberingter Weißtanne


Wie in Lübeck handelte man auch in Wismar mit Salz, Hering und stucke wandes = Tuch. Hering war wegen des Bevölkerungswachstums und der etwa 140 Fastentage im Jahr ein Exportschlager mit ständig wachsender Nachfrage. Im Russlandhandel wurden Wachs, Pelze, Flachs, Gewürze und Weihrauch nach-gefragt. Dort hin lieferte man flandrisches Tuch, Wein, Buntmetalle und führte Silber ein. Mit dem Silber entstand auch in Nowgorod ein Produktionsraum für hansischen Warenhandel, wie z.B. Getreide, Holz, Pottasche und Teer - Produkte, die in London, Flandern und Brabant heiß begehrt waren.
 
 

Handelswege

Der Fernhandelskaufmann befuhr den gesamten Nord- und Ostseeraum, meist als Küstensegler zwischen London und Nowgorod. Norwegen, Schweden und Dänemark lagen auf dieser Achse. Norwegen wegen seiner Stockfischproduktion mit europaweiter Nachfrage. Im Gegenzug wurden dort Getreide, Malz, Salz und andere Handelsprodukte des täglichen Bedarfs eingeführt. Schweden bot dringend benötigtes Kupfer und Eisen an, was zur Einwanderung deutscher Kaufleute, Handwerker und Bergleute führte und führte seinerseits Pelze und Fisch aus. Dänemark wegen seiner Heringsmärkte und dem enormen Bedarf an Bier. Im Baltikum wurde auch Alaun und Barchent nachgefragt, das der Kaufmann aus Wismar über Nürnberg bezog.Nach einer Anfangszeit begleitete er seine Handelsgüter nicht mehr selbst, sondern beauftragte einen Schiffer oder einen Fuhr-unternehmer. Der Kaufmann selbst blieb in seiner Stadt und organisierte und führte die Geschäfte bequem von seinem Kaufmannshaus aus - er wurde sesshaft. Die Zunahme seiner Handelsgeschäfte mit den unterschiedlichen Produktions-stätten machten eine ordentliche Dokumentation der Geschäftsvorfälle unumgänglich. 

 

 

 



Handelsgebiet der Hanse

 

"Kaufe dort, wo Handelswaren produziert werden. Verkaufe sie dort, wo sie nicht produziert werden", lautete das Motto des mercator communis = gemenen kopmans für seinen künftigen Reichtum. Er war stets bestrebt, seine Schiffe auszulasten und mit der benötigten Geldmenge seine Handelsfahrten zu planen. Auf den Ostmärkten musste mit Silber bezahlt werden. Das war für Kaufleute immer ein Risiko, weil große Geldmengen Diebesgesindel und Gesetzlose anlockte. Deshalb bevorzugte man den preisgünstigeren Inhaber-Schuldschein. Er war auf den Gläubiger und auf den Überbringer ausgestellt. Gegenüber dem Wechsel fielen hier keine Wechselkursverluste an. Auch der Rentenkauf und das Warenpfand waren beliebte bargeldlose Zahlungsmittel. In seinen Büchern waren alle Handelskontakte sowie die Handelsgüter, die eingekauft und wieder verkauft werden sollten, verzeichnet. 

So mancher ehrbare Kaufmann machte sich einen guten Namen, weil er für seine Stadt nicht nur lebensnotwendige Güter des täglichen Bedarfs herbeischaffte, sondern auch Luxusgüter für die reicheren Bürger der Stadt. Betrieb er zudem Lagerhäuser oder baute er noch einen Brunnen, so mehrte dies sein Geldvermögen durch Vermietung von Lagerplatz und zudem sein Ansehen, weil er auf drohende Notzeiten vorbereitet sein konnte und zur Brandbekämpfung der Stadt beitrug. 

Mit Krediten an den Adel schaffte es mancher Kaufmann in politische Ämter zu gelangen, z.B. Bürgermeister zu werden oder seine Stadt bei der Hanse als Ratssendbote zu vertreten oder sogar in das höchste Amt der Hanse zu gelangen, den Eldermann, auch Oldermann oder Ältermann, Comes Hansae = Konsul der Hanse.  

 


Rechenbrett des Kaufmanns

 

Handelsbuch

Das Kaufmannshaus und das Kontor 

Das Kaufmannshaus, in charakteristischer Backsteinbauweise dieser
Zeit, stand in Hafennähe oder auch inmitten der Stadt und war zugleich repräsentativer Wohnplatz und Geschäftsraum des Kaufmanns. In den oberen Stockwerken befanden sich Lagerböden, wo die Handelsgüter mittels eines Flaschenzuges eingelagert werden konnten. 
 
Ab Mitte des 12. Jh. gründeten deutsche Kaufleute als Genossenschaft der Gotlandfahrer in Nowgorod den St. Peterhof. Zur Finanzierung des Kontors entrichten Kaufleute eine Abgabe auf ihre Handelswaren. Sie wohnten hier z.T. monatelang innerhalb des Kontors in einem eigenen Rechtsraum mit streng einzuhaltenden Regeln. 

Privilegien

Stets waren die organisierten Kaufleute daran interessiert, von ihren Feudalherren und von den Städten, Privilegien für ihre Geschäfte zu erhalten, die sie in so genannten Privilegienbüchern festhielten. Das Privilegienbuch der Hansestadt Wismar bezeugt u.a. 1229 eine Schenkung eines Gebietes zwischen Wendorf und Köppernitz durch Herzog Johann von Mecklenburg. Seitdem wird dieses Jahr als das Jahr der Stadtgründung angesehen.

 



Seefahrt

Um 1180 gab es nur zwei Schiffstypen: das Wikingerschiff mit Ruderern und kleinem Segel und ein rund gebautes Segelschiff mit etwa 30 Tonnen Lastraum. Ab 1188 ein anderer Schiffstyp - die Kogge. Sie konnte jetzt das Zehnfache an Last befördern. Obwohl die Kogge ein träges Schiff war, konnte sie durch einen größeren Tiefgang mit einem größeren Segel wesentlich schneller fahren und sogar gegen den Wind kreuzen.
In Küstengebieten und auf Flüssen waren kleinere leichte Schiffe vorteilhafter einzusetzen. Die Schnigge als kleinstes Schiff war der schnellste Segler und für eilige und wertvolle Frachten auf weiten Strecken besonders gut geeignet. Sie war preiswert herzustellen, konnte bis zu 50 Last = 100 Tonnen, 1 Last = 1.880 kg, aufnehmen und brauchte nur wenige Mann Besatzung. 



Privilegienbuch der Stadt Wismar von 1229


Brauchte eine Kogge von Lübeck nach Danzig vier Tage, so schaffte das die Schnigge bei günstigen Winden in zwei Tagen. Bis nach Bergen dauerte die Reise mit einer Kogge mehr als drei Wochen - mit einer Schnigge nicht ganz zwei Wochen.

Probleme für Schiffe bereiteten zugefrorene Häfen. Der Seehandel kam zum erliegen. In dieser Zeit blieben zur Versorgung der Städte nur der Lagervorrat und der Landhandel.

Aus Furcht vor Piraten, segelten Hanseschiffe überwiegend im Konvoi bei zuvor genau festgelegter Route. Damit wehrten sie Überfälle auf See ab und bündelten Laderaum. Jede, der sich einem Konvoi anschloss, unterlag jedoch den strengen Regeln des konvoiführenden Schiffes, i.d.R. einem schwerbewaffneten Orlogschiff. Ein Ausscheren aus dem Verband war nur in den Zielhäfen möglich. Behindern oder uerlaubtes Verlassen des Konvois führte strenge Strafen nach sich. 

 

 


 

Quellen

Barthel, Manfred: Die Templer. Reichtum, Macht und Fall eines Ritterordens. Hamburg, Nikol 2008

Dollinger, Philippe: Die Hanse. 5., erw. Aufl., Stuttgart, Kröner 1998

Gurk, B.: Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa. Herford 2000

Hammel-Kiesow, Rolf: Die Hanse. München, C.H.Beck 2000

Schildbauer, Johannes: Die Hanse. Geschichte und Kultur. Stuttgart, Kohlhammer 1984

Techen, Friedrich: Geschichte der Seestadt Wismar. Wismar 1929 - Nachdruck, Stock und Stein 2003

Ziegler, Uwe: Die Hanse. Aufsteig, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft; eine Kultur-geschichte von Handel und Wandel zwischen 13. und 17. Jh. Bern, Scherz 1994 

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