Der Zähringer Löwe

auch Meyer, Bauernmeister, Oberbauer; lat. = villicus = Verwalter eines Fronhofes.

Im Sachsenspiegel werden die Meier meist Bauernmeister genannt und im weißgelblichen Gewand mit Strohhut dargestellt. Im Mittelalter gehörte fast alles Land den Adeligen und der Kirche. Diese Grundherren ließen Teile ihres Bodens = das Salland, durch unfreie Bauern, Knechte und Mägde – Hörige – bewirtschaften. Besaß ein Grundherr mehrere Herrenhöfe, wurden diese von seinem Vertreter, dem Meier, verwaltet. Der Meier ist ein Amtsträger eines frühmittelalterlichen Villikationsverbandes eines adligen oder meist geistlichen Grundherrn, der vom Fronhof aus das Salland = Herrenland, lat. terra salica, bewirtschaftete und die abhängigen Hufen beaufsichtigte und deren Abgaben einzog. Große Villikationen waren in mehrere Meierämter gegliedert, denen insgesamt ein Obermeier summus villicus vorstand. Für den Meier gab es eine Vielzahl regional und zeitlich unterschiedlicher Bezeichnungen wie Bauernvogt, Drost, Gutsvogt, Hofbauer, Hofschultheiß, Meiervogt, Schultheiß, Vogt, Amtmann, Amtsschulze.  
War der Grundherr ein Kloster, sprach man auch von Klostermeier, Kellerer (cellerarii), Pfleger oder Stiftsamtmann. Z.B. unterhielten die Zisterzienser Ordensgutshöfe mit einem von Konversen = Laienbrüdern geführten Wirtschaftshof (Grangie, lat. grangium = Korn, daraus abgeleitet = Vorratshaus). 

 

 

Der Meier im Dorfgericht

Die Meier betrieben in der Regel für den Grundherrn selbst einen Fronhof; sie entstammen ursprünglich aus den unfreien Familien des Herrschaftsverbandes, stiegen häufig in die Ministerialität auf und vermischten sich im 13. Jh. mit dem Niederadel. Meier wurden durch Geld und mit einige Hufen Eigenland curia villicalis entlohnt und hatten Anspruch auf Dienste und Abgaben der unterstellten Bauern. Wo sich um Fronhöfe dörfliche Siedlungsgemeinschaften bildeten, wuchs dem Meier im 13. Jh. auch politischer Einfluss zu, dessen Bedeutung zeitlich und regional unterschiedlich ausgeprägt war. Vielfach wirkten die Meier in der grundherrlichen niederen Gerichtsbarkeit mit.
 

Mit dem Aufstieg der Meier in die Ministerialität bildete sich nach und nach das vererbbare Meierrecht heraus. Die Grundherren versuchten besonders in den Zeiten der Kreuzzüge, wo sie aufgrund ihrer Lehnspflichten für Kaiser oder Fürsten sich nicht mehr um die Bewirtung ihrer Güter kümmern konnten, diesem Streben zu entgegnen, indem sie ihren Meiern Fronhöfe gegen jährliche Zinszahlung verpachteten, einschließlich der Abgaben und Dienste der von diesem abhängigen Bauern.

 
Meierrecht findet man häufig in Nordwestdeutschland und auch in Westfalen. Der Meier war nicht nur Verwaltungsbeamter, sondern auch Polizist und Richter der niederen Gerichtsbarkeit. Er konnte Strafen aussprechen. Alle Strafgelder hatte er dem Grafen zu überantworten und darüber Rechnung zu legen. Zusammen mit den Schöffen, die ebenfalls von der Herrschaft eingesetzt wurden, verurteilte er die kleinen Vergehen der Dorfbewohner und sprach die Strafen aus. Als Schiedsmann war er Ansprechpartner, um Streitigkeiten gütlich zu vergleichen. Die Folter durfte nicht angewendet, schwere Leibstrafen und die Todesstrafe durften nicht verhängt werden. In die Zuständigkeit der niederen Gerichtsbarkeit fiel auch das Erbrecht, Grenzstreitigkeiten sowie die Registrierung und Überwachung von Verkäufen. 





 

Der älteste Meierhof (curia villicatusim Bilivelde dürfte der zu Jerrendorf sein, wie eine urkundliche Erwähnung von 974 bezeugt. Demnach hat in Quedlinburg ein Tausch von acht Höfen zwischen der Schildescher Äbtissin Emma und dem Bischof Folcmar von Paderborn stattgefunden. Einer der Höfe, Geringtrop, hatte den Zehnten künftig an das Stift in Schildesche abzuführen. Geringtrop leitet sich von der Sippe des Gero ab, die bereits um 600 in der Aue am Johannisbach, damals hieß der Bach Vroudenouve, siedelte. Vermutlich ist der Hof noch älter und schon in der Römerzeit dort angesiedelt gewesen. Die Gegend hier war unwegsames Sumpfwaldgebiet.  

 

 

 

 

 

 


1151 wird in der Heberolle der Abtei Herford die Bauerschaft Brake (Brek, Brak), was soviel wie unbebautes Land bedeutet und zu der die Johannisbachaue gehörte, erwähnt. Ein Urbar belegt, dass die adelige Witwe Marswidis, welche 933 das Damenstift St. Johannis zu Schildesche gegründete hatte, den Bach Vroudenouve nach ihrem Schutzheiligen in Johannisbach umbenannte. 

Bis etwa 1150 war Gerewaringdorp, so der alte germanische Name des Meyer zu Jerrendorf, der Haupthof einer dörflichen Ansiedlung am Vroudenouve. Unweit in der Nachbarschaft lag der kleinere Hof Höner zu Jerrendorf. Der alte Name Höner leitet sich von Hovener ab = zum Hof gehörig. Weitere so genannte Hönerhöfe finden sich in der Umgebung: Meyer zu Drewer, Meyer zu Eissen, Meyer zu Altenschildesche, Meyer zu Gunterhusen und Meyer zu Siederdissen. Vermutlich bestand hier ein in mehrere Meierämter gegliederter Villikationsverband, bei dem der Meyer zu Jerrendorf Obermeierfunktion hatte.

Die Gegend um den Meyerhof zu Jerrendorf dürfte im 13. Jh. vermehrt gerodet und dichter besiedelt gewesen sein. Nach den Aufzeichnungen des Schildescher Stiftes soll es schon 100 Jahre zuvor eine Mühle am Johannesbach gegeben haben. Ob es sich dabei um den Platz der heutigen Milser Mühle handelt, ist nicht bekannt, denn die Mühle steht heute an der Lutter, etwa 100 m vom Johannisbach entfernt. 

Ab dem 10. Jh. verbreitet sich Mi-Parti, franz.-lat.: halb-geteilt die verschieden-farbige Halbteilung der Cotte. Im 12. Jh. zeigte die Farbteilung das Abhängig-keitsverhältnis des Trägers an - den unfreien Ministerialen. Der Meier trägt eine geschlitzte, in Mi-Parti gehaltene Cotte eines Reiters. Mi-Parti wurde auch von den Vasallen getragen und zeigte die Wappenfarben des Lehnsherren an.

Erst im Spätmittelalter wird das Mi-Parti zu einer Modeerscheinung bei den vornehmen Bürgern und beim Adel.
Bei Musikern, Narren und Possenreißern entwickelt sich Mi-Parti in verschiedenen Formen: verschiedenfarbig viergeteilt, vielfach geschlitzte Cotten und lange Zaddeln weisen sie als solche aus. 

 

Quellen

Weiss, Hermann: Geschichte der Tracht u.d. Geräths im Mittelalter
vom 4. bis 14. Jh. Stuttgart 1883 

Rösener, W.: Frondienste & Fronhof, in: Lexikon des Mittelalters
(LexMA), IV 986-990.

Rösener, W.: Meier, Meierrecht, in: LexMA, VI 470-471.

Rösener, W.: Villikation, in: LexMA, VIII 1694-1695

Zerkowski, W.; Fuhrmann, R.: Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen - Grundausstattung für den Mann. Zauberfeder Verlag, Braunschweig 2006 

Sachsenspiegel online 

 

 

 

 

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