Der Zähringer Löwe

 


Diskutiert wird allenthalben Stellung und Herkunft der Ministerialen in der Zeit des Hochmittelalters. Streit entbrennt häufig über die Frage, ob fürstliche Personen auch Ministeriale sein konnten und ferner darüber, ob Ministeriale Unfreie oder Freie waren und ob ihr Stand an ihrer Kleidung zu erkennen war.
Der Untersuchungsgegenstand bezieht sich mit dieser Fragestellung in diesem Aufsatz schwerpunktmäßig auf das 13. Jahrhundert (Jh.). Beginnen müssen wir damit jedoch weit früher, um aus der Entwicklung dieser „königlichen Beamten“ die Zusammenhänge erblicken zu können, die zu ihrem Aufstieg und zu einem eigenen Heerschild beitrugen. 

Der besseren Lesbarkeit wegen, habe ich bei Urkundenquellen der jeweiligen Autoren diese mit einem Buchstabenkürzel versehen, also bei Brüggen (B), bei Bulst (Bu), Keupp (K), Sachsenspiegel (S), usw. Weitere wichtige Quellen habe ich, wo es mir geboten erschien, direkt bei den Textteilen in Klammern angefügt. 

 

In Urkunden der Karolingerzeit und im 10. Jh. bezeichnet ministerialis einen Beamten ganz allgemein, jeder Art und jeden Standes (Kl). Ministeriale kannten auch schon die Germanen, freilich nicht als solche bezeichnet. Im Großverband der familia durften nur die Freien Waffen tragen und bildeten die bewaffnete kriegerische Dienstmannschaft. Seit dieser Zeit gilt auch, nur wer Eigengut, Allodium, besitzt, ist zum Heerdienst verpflichtet. Dieser bewaffneten Dienstmannschaft werden wir wieder in vorkarolingischer Zeit, in der Zeit danach bis zum 11.Jh. und in völlig veränderter Form im 13. Jh. wiederbegegnen.  
Die Ministerialen finden sich im gesamten Deutschen Reich in allen weltlichen und kirchlichen Bereichen dieses Standes wieder. Gebietsmäßig liefern sächsische und vor allem westfälische Quellen (Engern und Ostfalen) das meiste Forschungsmaterial. Östlich der Saale finden sich so gut wie keine Quellen. Soweit hier eine Ministerialität vorhanden war, stammt sie aus Besitzungen von Herren links von Elbe und Saale und hat sich sehr früh mit den freien Vasallen zum allgemeinen Ritterstand verschmolzen. Die Ministerialen in Mecklenburg sind welfische Ministerialen (M). Das Kölner Ministerialrecht machte seinen Einfluss tief bis ins Stammland der Sachsen hinein geltend. So übertrug z.B. die Siegburger Abtei das Ministerialrecht im Jahre 1105 auf das Kloster in Saalfeld.

In der Forschung wird die Entwicklungsgeschichte der Ministerialen stark unterschieden in die vorkarolingische und in die mittelalterliche Zeit.  Bußzahlungen, eher bekannt als Wergeld, sind die deutlichen Hinweise auf ihre Existenz. So waren diese wesentlich höher als die anderer gemeinen Unfreier, wenngleich sich innerhalb der Ministerialen auch welche mit niedrigerem Wergeld fanden, was auf ihren geringeren Wert aufgrund ihrer Ausbildung hinweist. Dass es sich um Unfrei handelte, ist unbestritten. Bei den Langobarden wird nicht selten das höhere Wergeld mit den besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten der Ministerialen begründet. Auch die Burgunder machten diese Unterschiede. Ein Wergeld von 60 Schillingen für den noch nicht ausgebildeten Ministerialen faber ferrarius (Handwerker) und ein Wergeld von 100 bis 200 Schillingen für den servusservus aurifex (Goldschmied) macht dies deutlich (M).
Aus der Vermischung des Hausgesindes mit denen mit besonderen Fähigkeiten und Aufgaben wuchs eine spezielle Dienstmannschaft heran. War der Begriff der Ministerialen in der vorkarolingischen Zeit noch eng mit Hausgesinde und Unfreiheit verbunden, so veränderte sich dieser Begriff in der Zeit Karls des Großen doch sehr. Das Hausgesinde rekrutierte sich von nun an auch aus den Reihen der Freien. In der lex Alamannorum wird die Unfreiheit des Hausgesindes noch vorausgesetzt. Sie belegt aber auch bei den Wergeldzahlungen des Oberknechtes si servus est, dass es auch schon freie Oberknechte gibt (M).
Diese Entwicklung betraf auch den königlichen Hof und auch die der darunter befindlichen herrschaftlichen Stände. Entsprechend der Vornehmlichkeit des Königshofes in besonderem Maße. Jetzt übertrug sich der Begriff Ministerialität von der privaten königlichen Haushaltung in Verbindung mit der allgemeinen Reichsverwaltung auf den Namen des Ministerialen und auf die Personen, die in dieser öffentlichen Verwaltung tätig waren, auf die missi, comites. Aus den ministerialis wurden Beamte. Noch war der Begriff ministerialis ein weiter: die karolingische Verwaltung kennt zwar den Begriff Beamter nicht, packt darunter aber auch alle niederen Dienste zusammen, so dass auch eine spezielle Türwache am Königshof als (vornehmer) Ministerialer galt. Die sozialen Unterschiede dieser Diener wurden dabei erst viel später mit den Haus- bzw. Hofämtern deutlich.

In der Urkunde Statuta antiqua abbatiae sancti Petri Corbeyensis von Abt Adalhard von 822, werden unter dem zum Haushalt eines Klosters gehörigen Leuten auch die Ministerialen gezählt (M). So benennt Hinkmar von Rheims bevorzugte Diener capitanei ministeriales, jene, die in späterer Zeit die Haus- und Hofämter übernehmen werden. Eine Entwicklung, die sehr langsam vor sich ging und abhängig war von individuellen Verhältnissen. Eine Urkunde des Kölner Erzbischofs im 12. Jh. über den täglichen Hofdienst zeigt, wie undefiniert der Begriff ministerialis, wie groß die Anzahl der Hausämter (noch) war. So konnte z.B. das wichtige Hausamt des cameriarius, des Kämmerers, doppelt besetzt sein. 


War die Handschrift Karls des Großen überall im Reiche deutlich in jedem Nacken der Beamten zu spüren, so gelang es den Landesfürsten unter den schwachen Regierungen in der späteren karolingischen Zeit die straffe Führung in ein lockeres Lehnswesen umzuwandeln. Aus Ministerialen werden teilweise nun Vasallen. In der Folge schwindet mehr und mehr der mit dem Ministerialamt verbundene Name für die jeweiligen Personen und damit die Abhängigkeit. Einzelne ehrenvolle Amtstitel am Hofe, die kein Abhängigkeitsverhältnis mehr darstellen, halten sich noch lange und werden unter den Ottonen von den Großen des Reiches, die nicht selten Landschenkungen an ihre Hof-Dienstmannen vornahmen, weitergeführt.
Von nun an gestalten eben diese Großen des Reiches ihre Hofhaltung nach königlichem Vorbild. Sie verquicken ihre private Hofhaltung und ihre grundherrliche Verwaltung mit der Verwaltung des Reiches, die sie zu führen hatten. So geschieht es, dass die besonderen Dienstmannen an den Höfen und der Staatsverwaltung, das Hausgesinde und die grundherrlichen Verwaltungsbeamten alle als Ministeriale bezeichnet werden. Bis dahin waren diese Ministerialen ihrem örtlichen Grafen verantwortlich, nicht erbliche Beamte und wieder absetzbar, behielten den Namen Ministerialer, während ihre Herren ihr Amt in Lehen verwandelt hatten, was eine Stelle in der Lehnsbeschreibung des Bischofs Meinwerc von Paderborn von 1021 bezeugt. Auch Herzog Heinrich von Braunschweig hielt bis 1227 das officium princernatus am Paderbornischen Hofe, das dann dem Grafen Otto von Ravensberg übertragen wurde (M).

Aus dem allgemeinen Hausgesinde der vorkarolingischen Zeit haben sich bis zum 12. Jh. zwei Gruppen von Ministerialen herausgebildet - das bessere Hausgesinde und die niederen örtlichen Verwaltungs-beamten. Im Wormser Hofrecht von 1023-1025 allerdings werden nur die niederen Verwaltungsbeamte als Ministeriale benannt, was nicht heißt, dass es nur diese Gruppe gab. Das Hausgesinde wird nur anders bezeichnet, servitor qui in curte est, ist jedoch rechtlich gleichgestellt mit den ministerialis. In zwei Kaiserurkunden aus 1188 und 1226 für das Kloster Eschwege und das Stift Hildesheim wird ebenfalls unterschieden zwischen den ministri et officiati dicte abbatisse und den officiati et ministeriales ecclesie Hildeshemensis.

Diese Urkunden erklären die höhere Stellung der Hausdiener in Rang und Einkommen und dass sie und ihre Amtsgüter einem besonderen Recht und einer besonderen Erbfolge unterliegen, wobei die höhergestellte Gruppe im Hofamt ebenfalls als Ministeriale bezeichnet werden.
Für die Reichsministerialen, von denen noch zu sprechen sein wird, welche zwar auch Ministeriale waren, galt dies nicht. Sie hielten zwar am Königshofe das Amt inne, führten es jedoch selbst nicht aus. Dafür hatten sie ihre eigenen Ministerialen. Wenn sie es ausführten, was vorkam, dann nur sehr kurzfristig, nämlich als ehrenvoller Dienst ihrem höchsten Herrn gegenüber. Sie traten also auch nicht in den Rechtsstand eines Ministerialen ein. Von den ursprünglich unzähligen Hofämtern, wie Zolleinnehmer, Forst- und Domänenverwalter, Falkner, Jäger, Kammermägdin, Zofe, Dekan, usw. aus der vorkarolingischen Zeit sind nur noch die fünf höheren Stellen des Schenken, Kämmerers, Marshalls, Truchsess und Jagdmeisters übrig. Das Hofrecht von Sunrike, Nähe Paderborn, aus dem Jahre 1036 bezeichnet Ministerialen als die höheren Verwaltungsbeamten über den villici, den Leitern von Fronhöfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein Vasall verweigert die Belehnung durch einen Fürsten, der kein Fahnenlehen besitzt und wird von einem anderen Fürsten mit einem Fahnenlehen (Reichsgut) belehnt.

 

 


Neben den niederen lokalen Beamten, eben den villici, den Vorstehern ländlicher Güter und Bezirke, den Meiern, auch Bauernmeister genannt, sind auch die herrschaftlichen Beamten der Städte zu nennen, also Stadtgraf, Burggraf, Schultheiß und solche Personen, die vom Stadtherren in die Gemeindevertretung entsandt werden und die mit den Gewählten der Bürgerschaft den Rat einer Stadt bilden. Auch sie sind Ministeriale. Eine Sonderstellung in der Ministerialität nehmen die Münzer und Zöllner ein, welche als Ministerialen zwischen Beamten und Handwerkern stehen, wie es das Straßburger Stadtrecht Ende des 12. Jh. belegt. Schultheißen oder Stadtgrafen bot sich recht früh und je nach Wichtigkeit die Möglichkeit das Amt in ein freies Lehen zu verwandeln. Für Paderborn z.B. ist das belegt: bis zu Beginn des 13. Jh. sind hier die Stadtgrafen, die Grafen Amelung, Heinrich und Widekind, Ministeriale. Nach Heirat des Edlen Bernhard von Ösede (Kloster Ösede bei Osnabrück) mit der Erbtochter Regelind versetzt sich Bernhard in den Besitz der Stadtgrafschaft und verwandelt sie zu diesem Zeitpunkt in ein freies Lehen. Etwa 1235 gingen die Stadtgrafen in die Bürgerschaft auf.

Neue landwirtschaftliche Techniken und Anbaumethoden des 11. Jh. beförderten das Städtewachstum und auch das Bevölkerungs-wachstum. Damit einher gingen andere tiefe wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandlungsprozesse. Innerhalb des grundherrlichen Hörigenverbandes vollzogen sich administrative und militärische Aufgabenteilung und auch Spezialisierung.
Der Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst bescherte der Gruppe der Ministerialen ihren raschen rechtlichen und materiellen Aufstieg. Ein eigenes Recht, ein eigener Gerichtsstand und alsbald erbliche Dienstlehen beförderten zudem die Abspaltung von der übrigen familia und sorgten für beträchtlichen Wohlstand der Ministerialen. Auch wenn sie bei Gütergeschäften und Ausheiraten auf ihren Herrn dominus weiterhin als Unfreie angewiesen waren, konnten sie verschenkt, verkauft oder einfach getauscht werden, was die Annäherung ihrer Lebensweise an die des Adels kaum beein-trächtigte. Ministerialtausch war in dieser Zeit wohl ein üblicher Vorgang, wie es im Sachsenspiegel auch belegt ist. Äußerlich vornehm und kriegerisch waren diese ministri kaum mehr von den milites zu unterscheiden: dass sie ohne Zweifel mit dem Stand der Freien verglichen werden können (Chronikon Ebersheimense, um 1150, Straßburger Herrschaftsverband). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Ministerialen der vorkarolingischen und während der karolingischen Zeit zogen stets mit in den Krieg, wie schon das burgundische Recht es belegt. Auch in der rex Salica ist die Rede von einem vor dem Feind getöteten Ministerialen. Die Verbindung der Verwaltung mit dem Militärdienst waren für die höheren Ministerialen eine ihrer hervorragendsten Amtspflichten - sie waren auch Heerführer, wobei der Krieg immer die Ausnahme war. Im 9. und 10. Jh. unterhielt man noch nicht ein großes Berufskriegertum obwohl sich die kriegerische Formation bereits vom Fußheer zum Reiterheer zu entwickeln begann, wie es in der Sachsengeschichte Widukinds um 924 beschrieben wird. In der Folge entwickelten sich die Waffentechnik und damit auch die Kampftechnik. Der Steigbügel kam auf, die Schildform und die Helmform und auch der Sattel änderten sich aufgrund der Kampftechnik mit der Lanze, die früher als leichter Speer nur geworfen wurde. Jetzt wird sie als schweres Kampfgerät unter dem Arm eingeklemmt zum Stoß vom Pferd aus eingesetzt. Mit der zusätzlichen Wucht des galoppierenden Pferdes und in einem ganzen Verband von solchen schweren Reitern erhielt man eine völlig neue Waffenqualität, die ihre Wirkung auf einen stehenden Gegner nicht verfehlte.

Griff man in der Zeit davor noch auf schlecht bewaffnete Bauern zurück, änderte sich dies rapide mit der fortschreitenden Waffen- und Kampftechnik. Ungeübte Bauern mit modernem Kriegsgerät waren kaum mehr von Nutzen. Man griff jetzt auf diejenigen zurück, die bereits eine militärische Ausbildung hatten, und das waren nach dem Wormser Hofrecht vorzugsweise die Ministerialen, die man weiterhin ausbildete. So waren einem Bischof nur die zum Heeresdienst verpflichtet, die ein Ministerialamt innehatten und somit bildeten die Kriegsdienste bei den Ministerialen einen integrierenden Teil ihrer Amtspflichten (M). Bauern bzw. deren Söhnen war es nun durch Friedrich I. verboten worden durch Umlegen des Waffengurtes zum Ritter gemacht zu werden. 

Die Belehnung der Ministerialen für zu erfüllende Aufgaben und für geleistete Dienste am Hof und in der Verwaltung ist gut belegt. Wer Kriegsdienst leisten sollte, mußte ausgestattet, unterhalten und in Waffen geübt werden. Für geleisteten Kriegsdienst erhielt man ein Gut verliehen, in der Regel drei bis vier Hufe (eine Hufe entsprach etwa 30 Morgen, die je nach Landstrich zwischen 7,5 und 16 ha groß war). Die Ministerialen waren nun schon mit Lehen ausgestattet, weswegen der Kriegsdienst zu ihren Amtspflichten zählte, also gerade weil sie Lehen hatten hing der Kriegsdienst vom Besitz eines Lehens ab. Wie eingangs schon gesagt, gilt noch immer: nur wer Eigengut, Allodium, besitzt, ist zum Heerdienst verpflichtet. Das Limburger Hofrecht von 1035 und das Fritzlarer Hofrecht von 1109 verweisen darauf. Nach dem Bamberger Dienstrecht aus den Jahren 1057-1064 konnte z.B. ein Bischof seine Ministerialen zur Übernahme eines der fünf Hofämter zwingen, was jedoch dann fehlschlug, wenn der Ministeriale, der kein Lehen besaß, es ausschlug (M).

So wie nach oben hin Ministeriale in den "gehobenen Dienst", vornehmlich in ein Hofamt eintraten, so stiegen auch die niederen Ministerialen auf. Von lokalen Gegebenheiten abgesehen, d.h., dass kleinere Hofhaltungen nur wenige Beamte stellen konnten und höhere Aufgaben deshalb vom niederen Gesinde wahrgenommen werden musste, lässt sich einer Urkunde von 1176 des Corveyer Abts Conrad zufolge ebenfalls belegen, dass bäuerliche Gutsvorsteher, ja dass Oberknechte, kurz dass die bäuerliche vllici bestrebt war, ihre Stellung in die eines Beamten, eines Ministerialen zu verwandeln. Einer Urkunde des Bischofs Ludolf von Münster von 1238 kann man entnehmen, dass der villicus des Hofes Beckum zum Ministerialen erhoben wurde, d.h. ein Unfreier erhielt mit Auflösung der Villikation die "Freilassung" mit nachfolgender Aufnahme in die Ministerialität.

Ähnliches geschah auch gemäß einer Urkunde von 1259 unter Bischof Widukind von Minden. Weitere Urkunden belegen den gleichen Vorgang des Abts Thetmar von Corvey im Jahre 1209-1216 und aus dem Stift Überwasser in Münster von 1209. 
Nach dem Sachsenspiegel Ldr. III 81, § 1 gilt generell für Freigelassene das Recht der freien Landsassen und das Recht der schöffenbaren freien Leute, wenn sie nicht ein höheres Amt begleiten. 

Gerade über die vielen vorhandenen Freilassungsurkunden kann diese Entwicklung gut verfolgt werden. Festzustellen ist auch, dass nicht jeder Ministeriale ein Krieger und nicht jeder Krieger ein Ministeriale war. Weltliche Herren mit kleiner Beamtenschaft haben, im Gegensatz zu den geistlichen Herren mit großer Beamtenschaft, mit großem Bedarf an Kriegern auch Nichtbeamte zu Berufskriegern ausgebildet. Somit decken sich am Ende des 12. Jh. die Begriffe Ministerialer und Berufskrieger, was auch in den verschiedenen Dienstrechten, vornehmlich auch im Sachsenspiegel, sichtbar wird. Nicht mehr das Beamtentum ist wesentlicher Begriffsinhalt von Ministerialität, sondern das Berufskriegertum. Es gibt genügend weitere Belege für diese Charakteristika des Ritterdienstes. Das älteste Bamberger Dienstrecht von 1057-1065 hält es sogar für selbstverständlich, dass ein Ministerialer ohne Lehen sich keine andere Tätigkeit sucht, als bei einem fremden Herrn Kriegsdienste zu leisten.

Da sich der Stand der Ministerialen zwischen dem 11. und 13. Jh ständig erhöhte, traten auch Freie in die Ministerialität über. Die Übertritte sind auch gut belegt ohne im Einzelnen näher darauf eingehen zu müssen. Einige Urkunden sollen dennoch angeführt werden: 1119, Urkunde des Erzbischofs Friedrich von Köln; 1123, Urkunde des Bischofs Heinrich von Paderborn; 1146, Urkunde des Bischofs Bernhard von Hildesheim; 1170 belegt eine Urkunde des Abts Conrad von Helmershausen einen Übertritt: Sein Ministeriale Markward von Weeden hatte die Freie Isentrud geheiratet und diese begibt sich nun mit samt ihren acht Kindern und Besitzungen aus der Vorehe in die Ministerialität des Klosters Helmershausen (M); 1258 ein Massenübertritt Freier aus den Grafschaften Stemwede und Border in die Ministerialität der Kirche von Minden.

In den hier genannten Urkunden dürfte allgemein die ähnliche Klausel gestanden haben: ...übereignen den Besitz im Umfang von fünf Hufen dem Kloster gegen das Versprechen eines im einzelnen festgesetzten Lebensunterhalts. Es handelt sich hierbei eindeutig um eine Altersversorgung, die die Freien zum Übertritt bewogen haben dürfte.

Aus der Urkunde des Bischofs Hermann von Münster von 1196 ist die Verleihung eines Ministeriallehens an einen Bauern bekannt mit der Regelung der Ministerialverpflichtungen desselben, in der Weise, dass er Bauer bleiben kann (M). Auch in einer Urkunde des Grafen Otto III. von Ravensberg, aus dem Jahre 1274 wird ein Übertritt eines Hermann von Bramsche ersichtlich.

Alle Urkunden haben eine Gemeinsamkeit; sie haben keinerlei Vorbehalte irgendwelcher Freiheitsrechte bezüglich der Schöffenbarkeit im gräflichen Gericht. Alle Urkunden zeigen, dass der Freie seine Güter dem betreffenden Dienstherrn überträgt, dann sich in das Eigentum des Herrn, mit dem Recht der Ministerialen, begibt und daraufhin seine aufgeführten Güter, meistenteils vermehrt, als Lehen zurückerhält. Oft wird auch betont, dass die Übergetretenen so behandelt werden sollen, wie die Ministerialen von altersher.

Vielfach werden die Begriffe ministeriales und milites verwechselt. Die Wissenschaft ist sich darüber einig, dass die Begriffe in Norddeutschland, im Gegensatz zu Süddeutschland, sich nicht unterscheiden (M). In der älteren Zeit versteht man unter milites den Vasallen im Gegensatz zum Ministerialen. Der Grund könnte in der unterschiedlichen Bewaffnung zwischen Vasallen und den Ministerialen zu finden sein. Letztere waren meist ärmer, konnten sich nicht so wie die Ritter ausrüsten und erhielten anfänglich ihr Rüstzeug vom Herrn, was nicht gerade das beste Stück gewesen sein dürfte. Vereinzelt werden später Ministeriale auch als milites bezeichnet. Milites sind jedoch diejenigen, welche den Ritterschlag erhalten haben, die anderen sind Knappen, die gemäß ihres Standes Ministeriale genannt werden. 

Es gibt auch Fälle, wo die milites unter den Ministerialen stehen, wie es ein Rechtsspruch König Konrads 1150 von den Ministerialen von Corvey bezeugt. Ein weiters Beispiel liefert 1170 Kaiser Friedrich I. in einem Tauschgeschäft zwischen Abt Willibald von Hersfeld und dem Reichsministerialen Markward von Grumbach.

 


Seit die Ministerialen sich aufgrund ihres kriegerischen Berufes zu einem Geburtsstande ausgebildet und nach dem Sachsenspiegel auch einen eigenen Heerschild haben, sie stehen auf den fünften, gilt ihr Streben in höhere Dienste zu gelangen. Der Verwaltungsdienst am Hofe bestand unter anderem auch darin, den König bei seinen Rechtsgeschäften zu beraten, ihn auch in einzelnen Willensakten zu vertreten und in seinem Namen die Verwaltung zu führen. Oder sie nahmen einzeln als Vogt, Burgvogt usw. die Rechte des Herrn in einem bestimmten Sprengel wahr. Dies erhöhte sie zwar nicht in ihrem Stande, jedoch in ihrer Funktion gegenüber den milites.

Lange galt: nur Freie durften Waffen tragen. Bei den Ministerialen, die aus der Unfreiheit kommen und nun Waffen tragen und zusammen mit den Rittern die Kriegsreiterei bilden, ist das ein Kuriosum. Die Ministerialen waren ein besonderer Stand - sie waren anfänglich der verlängerte Arm des Königs, später auch des Landesfürsten, zur Festigung seiner Macht gegenüber dem Adel.  

Mit der Entwicklung ihres Berufsstandes einher ging auch ihre rechtliche Entwicklung. So entstand ein Sonderrecht, das aus vormals Unfreien jetzt Freie machte. Für einen Grundherren spielte es anfangs keine Rolle, aus welchen Kreisen er seine Dienstmannen für den Hofdienst rekrutierte. Hauptsache sie hatten die entsprechende Eignung. So kennt das Mittelalter darüber auch keine allgemein-gültigen Rechtsvorschriften. Ende des 12. Jh. erst finden sich im Straßburger Stadtrecht, am Oberrhein und auch in Westfalen, vereinzelt Verbote, die Ministerialen aus anderen Kreisen zu nehmen als aus der Hofgemeinde, der familia

War der Heerdienst der Unfreien zur Zeit Karls des Großen noch abhängig vom Besitz von Benefizien, so unterlag die Waffenfähigkeit im 11. Jh. keinen ständischen Schranken mehr. Belegt ist das in zwei Kaiserprivilegien für Halberstadt und Minden 992 von Otto III. und 1002 von Heinrich II. 

 



Da sich die familia dieser Zeit aus Unfreien und Freien zusammensetzt, und sich die Entwicklung der Ministerialen lokal und in einzelnen Herrschaften unterschiedlich vollzog und auch die Rechte der einzelnen Dienstmannschaften sich unterschiedlich entwickelte, leuchtet es ein, dass Herkunft und Stand der Ministerialität durch keinerlei Rechtsvorschriften beeinflusst wurde. Das hat auch Eike von Repgow im Sachsenspiegel festgehalten; Lnr. 63 § 2 und Ldr. III 42 § 2, Mannigfaltigkeit des Dienstmannenrechts: 

[Dienstmannenrecht kann Eike nicht beschreiben, eben weil seine Entstehung historisch unterschiedlich verlaufen ist.] 

Standesunterschiede hingegen bestanden zwischen den Dienstmannschaften unterschiedlicher Herren so gut wie nicht, sonst hätten sie nicht so einfach ausgetauscht werden können, wenn ihre Dienstverhältnisse nicht geregelt gewesen wären, wie dies aus unzähligen Ministerialtauschverträgen hervorgeht. Die Reichsministerialen waren mit den anderen Ministerialen gleichen Standes. Sie unterschieden sich lediglich in einem für sie besonders günstigen Dienstrecht. Umgekehrt erhielten nach und nach die anderen Ministerialen deren Recht verliehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ministerialentausch durch zwei Herren (mit Schapel),
Ldr. I. §§ 51 und 52 des Sachsenspiegels

 

Manchen dieser Herren gelang es sich nach oben zu schaffen und ihr Amt in ein richtiges vererbbares Lehen zu verwandeln. Die meisten begnügten sich mit dem Aufstieg in den niederen Adel. Vormals Freie vermischten sich mit den jetzt neuen Freien, womit sich die Ministerialität im 13. Jh. aus denen von unten und von oben zusammensetzt. Wer letztlich in diesem Stand die Oberhand behielt, ist nicht klar nachzuweisen. Auch über die Größe dieses Personenkreises schweigen sich Herrscher wie Chronisten des 12. Jh. aus. Nach der Historia de expeditione Friderici imperatoris waren es so viele, dass sie sich nicht einmal schätzen ließen. Selbst in der Speyerer Erklärung des Jahres 1199, was als ein hervorragendes Ereignis gilt, wo sich eine größere Anzahl von Dienstmannen um ihren staufischen Herrn versammelten, bleiben echte Zahlen im Dunkeln. Anwesend war eine beträchtliche Zahl von Reichsministerialen, so die lapidare Schilderung in dieser Erklärung (K). Anhand von Quellen über den zweiten Italienfeldzug Friedrich Barbarossas lässt sich die Zahl der Panzerreiter, welche ja Ministerialen sind, auf etwa echte 600 beziffern. Bei anderen kaiserlichen Auftritten wurden Zahlen-angaben von mehreren Zehntausenden benannt, ja sogar Hunderttausende. So sollen beim Mainzer Hoffest A.D 1184 an die 70.000 milites anwesend gewesen sein (Chronicon Hanoniense). 1158 schätzt Rahewin das kaiserliche Heer auf 100.000 Bewaffnete (Gesta Frederici). Weitaus vorsichtiger beziffert die Chronica Regia Coloniensis 1189 Barbarossas Kreuzzugheer auf 15 milia electorum militium, 15.000 ausgewählte Berittene.

Man muss bei solchen Zahlenangaben immer vorsichtig sein, weil zeitgenössische Chronisten gerne durch Übertreibungen den eigentlichen Anlass auf eine noch höhere Stufe zu stellen trachteten. Erst moderne Berechnungen aus Zeugen- und Namenslisten der Kreuzzüge in den Jahren 1149 - 1191, soweit sie noch in ihrer Vollständigkeit vorhanden sind, ergeben einen Anteil der Ministerialen gegenüber den Edelfreien von 77%; für die Folgejahre bis 1250 wird sogar ein Wert von 97% berechnet. Nun darf man aus diesen Zahlenangaben nicht auf die Gesamtstärke der Ministerialität schließen (Kl). Ähnlich schwierig ist die Größe der Dienstmannschaft im königlichen Umfeld zu benennen. In neuerer Zeit haben Wissenschaftler für die Jahre von 1195 - 1280 insgesamt 549 Ministerialgeschlechter errechnet, wenngleich aus dem vorhandenen Material, z.B. in Diplomen Friedrich Barbarossas und Heinrichs VI., nur etwa 150 Reichsministerialengeschlechter genannt werden, wobei aus anderen Quellen Hinzuzählungen vorzunehmen sind (K). Berücksichtigt man, dass in Zeugenlisten nur die höhergestellten Personen benannt werden, die anderen untergeordneten (inferior) Zeugen häufig, wie in Urkunden dieser Zeit üblich, mit "...und viele andere Zeugen" tituliert werden, so erscheinen die errechneten Zahlen schon realistisch. Es muss demnach von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden, was sich am Beispiel eines Tauschgeschäftes im Jahre 1158 zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen belegen lässt; so erstand der Kaiser von seinem welfischen Vetter im Umkreis der Burg Badenweiler ein umfangreiches Herrschaftsgebiet, das die Macht des Stauferhauses im Südwesten des Reiches erheblich stärkte. Der Tausch beinhaltete neben 500 Bauernhufen (eine Hufe entspricht je nach Landstrich etwa 30 Morgen = 7,5 ha; ein Morgen = 1/4 ha = 2.500 m²), ein riesiges Gebiet also, auch die stattliche Anzahl von 100 ministeriales, die somit in das Allodialgut des staufischen Hauses wechselten (K). Der Herzog erhielt zum Ausgleich vom Kaiser Reichsgüter im Harz. Der Ausgleich war gerecht und nicht weniger interessant, weshalb er hier erwähnt werden soll.

Neben verschiedenen Liegenschaften und Gefällen wurden die Burg Colditz und unser Ministeriale Thiemo mit seinen Kindern und mit all seinen Gütern und Lehen, die sich insgesamt auf zwanzig Gehöftgruppen belaufen übertragen. Außerdem kamen die Burg Leisnitz mit dem Lehen des Burggrafen Heinrich, das befestigte Lausick mit den dazugehörigen Markteinkünften, der Gleisberg und der Berg Jenzig bei Jena sowie die Burg Morungen mit den zugehörigen Einkünften an das Reich. Heinrich der Löwe erhielt die Burgen Herzberg und Scharzfels, den Königshof (Pfalz) Pöhlde mit allen Pertinenzen (Zubehör, Zugehörigkeiten) sowie den Reichsministerialen Adelhard von Burgdorf übereignet. Interessant ist auch die Tatsache, dass der Reichsministeriale Adelhard mit allem Zubehör an die 100 Badenweiler Ministerialen aufwiegt.
Von den 549 Ministerialgeschlechtern sollen hier nur die bekanntesten genannt werden, die sich nachweisbar auch über einen längeren Zeitraum im Umfeld des Kaisers aufhielten, als da sind:
die Reichsministerialen von Bolanden, von Münzenberg, von Lautern (-Hohenecken), von Schüpf, Siebeneich und Rothenburg, die Marschälle von Pappenheim und Kalden sowie Markward von Annweiler. Daneben gab es noch etliche Kirchenministerialen im staufischen Dienst. Auch so genannte Doppelministerialitäten sind vorgekommen. Der Speyerer camerarius Anselm entstammt aus einer angesehenen Ministerialfamilie. Um 1148 erscheint sein Name mehrfach im Gefolge des Bischofs von Speyer. Auch seine Brüder Dietrich (camerarius) und Dudo (advocatus) sind im Dienste des Bischofs im Hochstift nachweisbar. Anselm dient jedoch zur gleichen Zeit auch dem Kaiser als ministerialis regni (K). 1153 erscheint er als unus maioribus ministerialibus regni, als alleiniger Repräsentant der königlichen Ministerialen. Doppelministerialitäten, darüber ist sich die Forschung uneins, könnten auch Freistellungen für den Reichsdienst durch ihre eigentliche Herren gewesen sein. 1167 z.B. wurde der Marschall Heinrich von Pappenheim von Herzog Friedrich von Rothenburg für den Reichsdienst am Hofe des Kaisers freigestellt.
Bei der Auswahl der Reichsministerialen achteten die jeweiligen Herrscher darauf, die regionalen Herkunftsräume und Besonderheiten ihrer Diener, die politischen Kraftfelder und deren Besitzstrukturen mit den Plänen des Reiches in Einklang zu bringen, um damit gefestigte Träger ihrer Staatsplanung und ihres Willens zu formen. 

 

 

Der Aufstieg der Ministerialen in einen erhöhten Stand verlief freilich nicht so harmonisch wie es scheint und geschildert wird. Dieser Aufstieg war in der Anfangszeit recht blutig verlaufen. 



So beklagte sich Probst Gerhoch von Reichersberg in seinem im Jahre 1128 verfassten Werk De aedificio Dei und glaubte sich in einer verkehrten Welt. 
Aus ihrer Position von abhängiger Adligkeit oder adliger Unfreiheit heraus blieb eine Einbindung der kommenden Ministerialität in die bisherige Ständeordnung nicht ohne Auseinandersetzungen. Die Freien, die diese Gruppe anfänglich bekämpfte und die Unfreien, die sich ihren Platz zu erkämpfen suchten, war er doch von königlicher Machtstellung her gewollt, gerieten aneinander.
Der St. Gallener Abt Ekkehard IV. berichtet Mitte des 11. Jh. über seine Untergebenen, die St. Gallener Meier, die

Nach der Wende vom 11. zum 12. Jh., das nehme ich vorweg, war der Spuk solcher Gewalttätigkeiten weitestgehend verschwunden. Doch bis dahin gab es viele Klagen. So der Zwiefaltener Mönch Berthold: Ihre eigenen Herren können diese Leute selbst mit tyrannischer Gewalt kaum mit Mühe und Not bändigen. Dabei zitiert er die Ermahnungen des Klostergründers Luitold: Diese ritterlichen Dienstmannen tragen die Hauptschuld am Niedergang der Klöster und an der Störung des Friedens. Mönche, die solche Dienstleute haben, kommen nie zur Ruhe und zum Frieden, sie bleiben nie ohne Zorn, Zank und Streit. Obendrein teilen sie die Güter des Klosters unter sich, andere zerstören sie in Händeln und Kämpfen mit Feuer und Schwert (Zwiefalter Chroniken Ortliebs und Bertholds).  
Die Dreistigkeit dieser Gruppe der Ministerialen ging sogar soweit, dass z.B. der Corveyer Truchsess Rabano innerhalb der Klostermauern einen Burgthing hielt, wobei der Fall dann vor dem königlichen Hofgericht verhandelt werden musste, in dem sich die Hofrichter empörten: was schon einem Fürsten nicht erlaubt sei, sei ja wohl noch weniger Ministerialen zu gestatten.

Es kam auch zu widerrechtlicher Besitzergreifung und Anmaßung der öffentlichen Gewalt, wie folgende Beispiele zeigen. 1073 mussten in Hildesheim unbotmäßige Dienstmannen gebannt werden. Klerus und Ministerialität in Utrecht beteiligten sich an einer Verschwörung (Codex Udalrici). 1106 besetzten Ministeriale des Hochstifts zu Salzburg bei der Ankunft des neuen Bischofs Konrad die Burg, konspirierten am Herrscherhof gegen den Bischof und hielten ihn 1112 fast zehn Jahre aus dem Bistum fern (Vita Chunradi episcopi Salzburgensis). Im gleichen Jahr führten Ministerialen aus Münster ihren Bischof gefesselt vor den Kaiser Heinrich IV. (Chronica Regia Coloniensis).

1129-1131 verweigerten die Ministerialen des Trierer Erzstiftes dem neuerwählten Metropoliten ihre Anerkennung und versperrten ihm gewaltsam den Zutritt zu seiner Stadt, währenddessen der Burggraf Ludwig de Ponte den Bischofspalast besetzt hielt und für sich das Recht beanspruchte, das Land zu regieren und alle Geschäfte des Bistums zu regeln sowie die Kriegsmannschaft zu befehligen. In Lüttich kam es sogar zu Mordanschlägen auf den Abt und zu Überfällen Lütticher Ministerialen auf Güter des ehrwürdigen Reichsklosters von Stablo.1098 wurde der gregorianische Gegenbischof Purchard von Brixen von seinen Ministerialen ermordet. 1135 erschlugen Reichenauer Ministerialen den Abt Ludwig vor dem Altar.

Aber auch auf weltliche Herrschaftsträger wurden gewalttätige Übergriffe verübt. Der Mord an Heinrich dem Fetten A.D. 1101 wird seinen servi zugeschrieben. 

1102 wurde Graf Ludwig von Mömpelgard von seinen Ministerialen getötet, nachdem sie seine Herberge belagerten und ihn dann regelrecht hinrichteten. Obwohl die Sache vor den Kaiser Heinrich IV. gebracht wurde, machte der keinerlei Anstalten die Täter zu bestrafen. Der Unmut dieser Ungerechtigkeit war groß im Lande.Zur Jahreswende 1103/1104 wurde auf dem kaiserlichen Hoftag zu Regensburg der bayrische Graf Sigehard von Burghausen aus den Reihen seiner servi ermordet. Auf Grund eines ungerechten Richterspruches durch den Grafen verbündeten sich in der Folge die Regensburger Bürger mit Angehörigen verschiedener Ministerialen, u.a. auch der königlichen Ministerialen (Annales Rosenfeldenses).

Offenbar gab es ein unausgesprochenes Einverständnis und ein verletztes Rechtsempfinden zwischen den Gruppen, die eine Vergeltung gegenüber Höhergestellten rechtfertigte. Schon ein Jahr später bekam Bischof Gebhard dieses "Einverständnis" zu spüren. Weil er einen seiner milites in einer unerträglichen Weise beleidigt hatte, musste er dies mit seinem Leben büßen.

Diese üblen Taten kann man beliebig fortsetzen, was hier wohl zu weit führen würde. In der ersten Hälfte des 11. Jh. häufen sich in der Tat die Klagen über beunruhigende Eigenmächtigkeiten, Raffgier und Händelsucht eigener wie fremder ministeriales (K). Der Antrieb für solche Exesse bestand wohl in dem Bestreben nach Erblichkeit von Dienstlehen und Ämtern, der Reduzierung von Abgaben und einer sozialen und wirtschaftlichen Besserstellung durch größere Einkünfte und mehr Rechtsbefugnisse, um dem lokalen Adel in nichts nachzustehen. Dieses Verhalten war völlig außerhalb des Normalen.
Gegenüber den waffenlosen Fürsten, also den Äbten, Bischöfen und Nonnen vermochte sich die aufbegehrende Ministerialität am leichtesten durchzusetzen, wie wir oben gesehen haben. Weil sich die niederen Dienstleute gegen die höheren solche Verbrechen herausnahmen, bestand allgemein Trauer und Besorgnis im Land.

 

Allerdings stand man von Anfang an auch den Reichsministerialen besonders argwöhnisch gegenüber, die um 1050 mit immer wichtigeren Verwaltungsaufgaben betraut wurden, weil sie durch ihre Aufgaben eine besondere Nähe zum jeweiligen Herrscher aufbauen konnten. Besondere Gunstbeweise von König und Kaiser und Stiftungen für im Reichsdienst gefallene servientes verschärften den Argwohn noch. So bleiben auch die Klagen nicht aus, die sich gegen den verstärkten herrschaftlichen Zugriff eben jener königlicher Beamten auf der lokalen Ebene richten. Da ist die Rede vom ersten großen Reichsministeriale Frankens, dem Höllenhund Otnand, der die Leute von Forchheim wie in einem Ofen habe braten lassen (Briefesammlungen der Zeit Heinrichs IV.). 

In einem Bamberger Schreiben an den Kaiser Heinrich V. heißt es: Ohne Ehrfurcht vor Gott und Euch werde das der Kirche Verbliebene von den königlichen Ministerialen verheert, wo auch immer es ihnen möglich ist (Codex Udalrici). Dass solche Übergriffe weitreichende Folgen nach sich ziehen, zeigen die Vorkommnisse um 1073 in Sachsen, wo es zu gefährlichen Aufständen kam. A.D. 1114 nahm man im Rheinland die niederdrückende Herrschaft eines kaiserlichen Ministerialen zum Vorwand, um sich dem kaiserlichen Machtbereich zu entziehen (anonyme Kaiserchronik). 

Auch diese Liste ist beliebig fortzusetzen. Missfallen, ja schon Zorn erregte die Aufnahme sozial niederer Dienstleute, sog. inferiores, in den engen Bereich der königlichen Berater und damit in die unmittelbare Nähe des Herrschers. Diese Zustände wurden als unwürdige Sache und nicht der Ordnung gemäß (Annales Altahenses majores) kritisiert. Der König umgebe sich nur noch mit Männern niedriger Herkunft und fast ohne Ahnen und richte sich nach deren Willen. Mit diesen Leuten habe er gar bei Tag und Nacht erörtert, die Nobilität, (Amtsadel) vollständig auszurotten. Nicht nur, dass man die Entfernung dieser königlichen Vertrauten aus den Reihen der Ministerialen forderte, schreckten erboste Fürsten auch nicht vor Mordtaten zurück. Die Großen des Reiches fürchteten um ihre Ehrenstellung bei Hofe und um ihre Pfründe, ihren Anteil an der Königsherrschaft. Die Missachtung der Fürsten bedeute den Untergang des Reiches (Vita Herici IV.). 

Diese Entwicklungen im 11. Jh. müssen für jeden schrecklich und sehr bedrohlich gewesen sein. Erst die Nachfolger der Salier, Lothar III., ein Supplinburger und Konrad III., ein Staufer, brachten Ruhe, Frieden und Rechtssicherheit. So tauchten unter ihnen kaum noch niedere Dienstmannen in der königlichen Nähe auf. Auf die Reichsministerialen verzichtete man dennoch nicht. Im Gegenteil, ihre Stellung hatten sie sich im 12. Jh. weitgehend gefestigt. Nun nahm der höhere Adel diese Aufgaben (wieder) wahr.  
Die Ministerialen aller Stufen waren es, die im 12. Jh. für eine ungeheure Bautätigkeit an Burgen und Befestigungsanlagen, die typische Wohnung von Ministerialen dieser Zeit war die Motte, und einem Netz an Dienstlehen sorgten und ihren Herren somit am Auf- und Ausbau ihrer Territorien halfen. Sie waren es auch, die den Großteil der Panzerreiter stellten. Ihre Vielseitigkeit und Effizienz machte sie zu einem Instrument der Herrschaftsausübung. Ohne die Ministerialen wäre wohl kaum ein Kriegszug oder Schutz und Verwaltung von lokalen Güterkomplexen möglich.

Im Sachsenspiegel gibt es einige Hinweise auf ministeriale Gewandung und deren Symbole. So war der Meier an seinem weißen Stock für Fremde gut erkennbar. Der Schultheiß trug eine besondere Hutform, woran man seine Dienststellung erkennen konnte. Der Königsbote trug ein rotes Gewand mit grünen Armbinden. In der Regel übten Ministeriale ihr Amt in der Region ihres Betätigungsfeldes aus, meist an ihrem Wohnsitz. Somit waren sie dort als solche bekannt. Oder sie wurden bei ihrem Erscheinen bekannt gemacht. 

Im 12. Jh. konnte man Dienstmannen, wie z.B. den Meier, an ihrer zweifarbigen Gewandung, dem Mi-Parti, was soviel wie halbgeteilt heißt, erkennen. Diese Gewandungsform war in dieser Zeit den unfreien Ministerialen vorbehalten, die in einem bestimmten Dienstverhältnis zu ihrem Herrn standen. Jeweils eine gesamte Körperhälfte der Gewandung war in einer anderen Farbe gehalten. D.h., Guggel, Rock und Beinlinge waren mittig geteilt und jede Seite war von einer anderen Farbe, z.B. Rot und Grün oder Rot und Gelb. Als reine Modeerscheinung kam Mi-Parti erst im 16. Jh. auf. Geviertelte gegenfarbige Gewänder oder solche mit Zaddeln, also einem mehrfach geschlitzten Rock, waren im 13. Jh. eher bei Narren, Possenreißern und Gauklern anzutreffen. 

Die Eingangs aufgeworfene Frage, ob Ministeriale direkt an der Kleidung erkennbar waren, lässt sich mit einem Blick in den Sachsenspiegel zwar erleuchten, doch muss darauf hingewiesen werden, dass Eike von Repgow in seinem 1220 geschriebebenen Rechtsbuch für die Darstellung von Rechtsfällen einen Farbcode zur Unterscheidung angewendet hat. Das bedeutet nicht, dass er die Farben an den Gewandungen "erfunden" hat. Vielmehr war es zeitgemäß Abbildungen so zu gestalten, wie sie in Wirklichkeit zu sehen waren. Das belegen vor allem Codizes wie z.B. das Mainzer Evangeliar aus der Mitte des 13. Jh. Hier wird die gesamte Christusgeschichte in der Gewandung des 13. Jh. dargestellt. Ähnliches im Albani-Psalter des 12. Jh. Man darf also davon ausgehen, dass gemalt wurde, wie es zu sehen war. 

Eike von Repgows Anspruch war es, das bislang nur gesprochene Recht und die Formen des Umgangs damit und der Durchsetzung schriftlich festzuhalten. Er hat die gängige Praxis aufgezeichnet und bildlich dargestellt. Der Schultheiß trägt außer seinem auffälligen Hut mit breiter, leicht aufgebogener Krempe und gebogener Spitze auch ein auffälliges Gewand: Es ist abwechselnd von je zwei grünen und zwei roten, manchmal auch nur von einem roten Streifen auf weißem Grund quergestreift. Das Gewand des Fronboten ist Rot-Weiß-Grün quergestreift. Soweit Eike quergestreifte Gewänder in anderen Farben darstellt ohne sie näher zu erläutern, dürften auch diese aus der Realität des 13. Jh. entnommen worden und in den Sachsenspiegel eingeflossen sein.

 



Auch wenn die Ministerialität ab der Mitte des 12. Jh. als ein geschlossener Verband auftrat, so gab es in ihr doch große soziale Unterschiede. Wie wir gesehen haben, schafften einige den Sprung nach ganz oben und verfügten ihrerseits über eigene Ministerialen. Da sich in Frankreich die sozialen Verhältnisse anders gestalteten, wo die Ritterschaft generell nur aus freien Vasallen bestand, verlief die Entwicklung dieser Gruppe in Deutschland eben typisch deutsch. 

Waren die Ritter nun Herren oder Knechte? Im Grunde waren sie beides. Umfasst der Ritterbegriff den Herrn, den König, den Fürsten, den Grafen oder den einfachen Adligen, so ist auch der Dienstgedanke, der in der unfreien Herkunft mancher milites verwurzelt ist, eine ebenso tiefe unablegbare Eigenschaft eines Ritters. Berücksichtigt man auch den in dieser Zeit nicht wegzudenkenden Frauendienst als Bestandteil der höfischen ritterlichen Kultur, so war der Ritter ein dreifacher Diener: als miles christianus diente er Gott, als Vasall oder Ministeriale diente er seinem Dienst- oder Lehnsherrn und als drittes diente er den Frauen.

Die Ministerialen hatten weit über das 13. Jh. hinaus Bestand. Die Ministerialität des Spätmittelalters ist hier jedoch nicht Gegenstand der Darstellung. Zur Semantik einiger Begriffe noch ein Wort.

Die oben genannten lat. Begriffe wie ministri, servi, familia, milites, usw. haben im Laufe von einigen hundert Jahren ständig eine qualitative Wandlung vollzogen. Ministri z.B. hatte in frühmittelalterlicher Zeit eine andere Bedeutung als unter Friedrich II. Unter Karl dem Großen verstand man unter ministerialis den Inhaber eines Amtes mit besonderen Aufgaben (ministerium), in der Regel im Umfeld geistlicher Institutionen und am Hofe des Königs. Aber auch schon im Bereich der Rechtsprechung und der Vogtei. Ministerialis findet seit dem 9. Jh. Anwendung für hochrangige Leistungsträger im Bereich der königlichen und kirchlichen Herrschaftsorganisation wie auch auf untergeordnete Tätigkeiten. Dass in dieser Begrifflichkeit auch Grafen und Bischöfe mit eingeschlossen sind, belegen Diplome Arnulfs von Kärnten aus dem Jahre 890 (K). Im 11. Jh. finden sich ministeriales hauptsächlich als nachgeordnete Funktionsträger in grundherrlichen Verwaltungen, wobei Freie und Unfreie gleichermaßen mit entsprechenden Aufgaben betraut wurden. So sollte z.B. in Westfalen ein ministerialis ecclesiae A.D. 1021 für den Paderborner Bischof die Grafschaftsrechte ausüben. Bis ins 11. Jh. blieb der Begriff im Grunde unspezifisch. Wenn ein Graf und ein Zolleinnehmer somit als Ministeriale bezeichnet werden, ging es um die Funktion und nicht um den Stand einer Person. Salopp könnte man also hier von einem Amtsministerialen sprechen, der in der Folgezeit jedoch vom Standesministerialen zu unterscheiden ist. Zum Ende des 11. Jh. sinkt zwar der Begriff aus einer ehrenvollen Adligkeit in den Bereich der grundherrlichen Unfreiheit, wird damit dennoch nicht weniger ehrenvoll (K).

Eine ähnliche Entwicklungsgeschichte erfuhr der Begriff der servi. Unter Konrad II. macht servus als Angehöriger der familia als einer rechtlich und wirtschaftlich besser gestellten Gruppe Unfreier keinen Unterschied zwischen augenscheinlich höhergestellter Personen.
Mit dem Salierkönig und späteren Kaiser Heinrich III. kommt eine Erweiterung des Begriffs in die königlichen Diplome: servientes. Servientes sind nun Empfänger oder Inhaber größerer Besitzungen, wobei cliens und minister für eine weitere Aufspaltung sorgen, was auch von der geistlichen Herrschaftsorganisation übernommen wird. Die semantische Entwicklung bringt dann auch gleich aus servus in seiner Verwendung als Einzelattribut den servitor hervor. Hinzu treten clientes, ministri und auch famuli sowie etliche lokale Varianten, wie scararii (Gutseigne, Dienstleute, Hörige) der Klöster Prüm und St. Maximin (K). Bis vor 1125 stehen im Weißenburger Dienstrecht servitores und clientes gleichrangig nebeneinander. Ab dem 12. Jh. verschwand diese verwirrende Titulierung durch die Bezeichnung ministerialis. Dieser Begriff erscheint in seiner neuen Bedeutung erstmals in der Bamberger Hochstiftsorganisation (Bamberger Dienstmannenrecht in Codex Udalrici). Von Bamberg aus fand der ministerialis-Begriff seinen Weg in die Urkunden Heinrichs IV. und die seines Sohnes Heinrichs V. Dieser Terminus wurde mit dem Personalwechsel von der Kanzlei Lothars III. in die Herrscherdiplome übernommen und galt auch in staufischer Zeit fort.

Auf Bildzeugnissen findet man häufig die Gewandung der höheren Stände dargestellt. Die Tracht der niederen Stände, insbesondere die der Bauern findet man eher selten.

Bei allen Vorbehalten über den Wert einer Quelle kann man dem Sachsenspiegel seinen Wirklichkeitsgehalt nicht bestreiten, weil er deutliche Züge dieses Zeitalters trägt, zumal die Bilder die einzigen bekannten Darstellungen sind.

Anhand der mageren Quellenlage müssen Einzelbetrachtungen helfen einen Zusammenhang herzustellen und so nahe wie möglich an die mögliche Wahrscheinlichkeit heranzukommen. Dazu zählen auch die vielen Verordnungen über die Kleider, die hierarchisch von oben nach unten diktiert wurden und auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Je häufiger im 13. Jh. solche Kleiderordnungen ausgesprochen wurden, in der sich die sozialen Standesgrenzen optisch ausdrücken, umso deutlicher lässt sich daraus ablesen, dass viel zu oft dagegen verstoßen wurde.

 

 

Herr Otto vom Turne 

© Universitätsbibliothek Heidelberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Eike von Repgow

Einige allgemeine Begriffe sollen hier noch kurz erläutert werden.

Allodium, (Gegensatz: Lehen) in mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Recht ein Besitz an Land oder Grundstücken, dessen Eigentümer frei darüber verfügen konnte, der nicht an irgendwelche Gegenleistungen des Inhabers gegenüber anderen Personen gebunden war. Ein Allod konnte nach dem landesüblichen Recht frei vererbt werden. Ursprünglich waren von den Einkünften aus Allodialgütern nicht einmal Abgaben an den Landesfürsten zu entrichten. 

Benefizien, das Benefizium, bezeichnet eine Entlohnungsform und ist nach dem römischem Recht jede Gunst oder Wohltat von Seiten der Kirche oder des Kaisers, also die Übertragung des (Nutzungs-)Rechtes an einer Sache, i.d.R. mit nur wenig oder keinen Diensten oder Zinszahlungen verbunden. Im Frankenreich brauchten für das Benefizium keine Dienste geleistet werden. Die Kirchen banden damit Vasallen an sich. Das Eigentum blieb beim Verleiher, nur der Besitzer wechselte. Da sich mit der Zeit die Gewohnheit einstellte, einmal erhaltene Benefizien erstens zu behalten und zweitens auch noch zu vererben, gingen Benefizien so in Lehen über.

Diplom, Mandat, im Mittelalter unterschied man Urkunden nach Diplom und Mandat. Weniger Beglaubigung und Rechtsinhalt, sondern Qualität und Dauerhaftigkeit einer Urkunde sollten damit zum Ausdruck kommen. Rechtshandlungen, von besonderer Bedeutung, wie Schenkungs- und Belehnungsurkunden, Freilassungsurkunden (Entlassungen aus der Villikation), Immunitäts- und Schutzprivilegien, Lehnsbriefe usw., die auf die Ewigkeit ausgelegt waren, nannte man Diplom; Geschäftsurkunden, die ein einmaliges Alltagsgeschäft regelten, nannte man Mandat. Rechtsgültig waren diese Urkunden nur, wenn sie in bestimmter Form beschaffen (Pergament), in einem bestimmten Muster (Kanzleisystem) aufgebaut und in einer bestimmten (Kanzlei-)Sprache abgefasst und gesiegelt waren. Obwohl Papier im 12. Jh. in Spanien und in Italien schon bekannt war, verbot Kaiser Friedrich II. die Verwendung von Papier für Urkunden als illegal. 

Fahnenlehen, vom Kaiser oder König selbst mittels einer Fahne verliehenes weltliches Reichsgut. Es war mit dem Heer- und Gerichtsbann verbunden. Nach dem Sachsenspiegel wurden geistliche Fürsten mit dem Zepter, weltliche Fürsten mit der roten Fahne (Blutbann) als Symbol belehnt. Die Belehnung mit einer Fahne ist von Alters her gebräuchlich: Reichsgut wurde mittels eines Speeres übergeben. An den Speer pflegten die Ritter ihre Fahne zu binden. Bei den Hohenstaufen war es ein alter Brauch, dass Königreiche mit dem Schwert und Provinzen mit der Fahne verliehen wurden. So belehnte 1152 Kaiser Friedrich I. den König Peter von Dänemark mit dem Symbol eines Schwerts. Nach dem Lehnsrecht des Sachsenspiegels muß der König ein an ihn zurückgefallenes Fahnenlehen binnen Jahr und Tag - das sind ein Jahr, sechs Wochen und drei Tage (symbolisiert durch die Zahlzeichen LII und IIIIII sowie die Sonne) - wieder ausleihen. Ritterlehen wurden mit dem Schild geliehen und daher auch Schildlehen genannt.

Ministerialen, (Ministerialis = unfreier Dienstmann, ministerium: Dienst), seit dem 11.Jh. vom Kaiser oder König ausgewählte spezielle unfreie Amtsträger im Dienst eines Herrn Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Z. B. wurden einzelne Unfreie als Meier mit qualifizierten Dienstämtern zunächst in kirchlichen und königlichen Grundherrschaften betraut. Im Hörigenverband familia nahmen sie dadurch eine bevorrechtigte Stellung ein. Ab dem 12. Jh. hatten sie sich ihre Freiheit und ein besonderes Recht erkämpft und im 13. Jh. standen sie auf einem eigenen Heerschild.

Wergeld, auch Manngeld (ahd., wer bedeutet Mann), war im germanischen Recht das Sühnegeld, welches den Erben eines Erschlagenen von den Tätern bezahlt werden mußte. Neben dem Wergeld musste ein Wettgeld an den Fürsten gezahlt werden, um den öffentlichen Friedensbruch wettzumachen. Diese Form wurde im 12. Jh. zunehmend durch öffentliche Strafen der Landfriedensgesetze abgelöst.


Quellen

Der besseren Lesbarkeit wegen, habe ich bei Urkundenquellen der jeweiligen Autoren diese mit einem Buchstabenkürzel versehen, also bei Brüggen (B), bei Bulst (Bu), Keupp (K), Sachsenspiegel (S), usw.Weitere wichtige Quellen habe ich, wo es mir geboten erschien, direkt bei den Textteilen in Klammern angefügt.

Brüggen, Elke (B): Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts, Heidelberg 1989.

Bulst, Neithard (Bu): Zwischen Sein und Schein: Kleidung und Identität in der ständischen Gesellschaft, Freiburg 1993.

Keupp, Jan Ulrich (K): Dienst und Verdienst, Stuttgart 2002.

Kluckhohn, Paul (Kl): Die Ministerialität in Süddeutschland: Vom zehnten bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts, Aalen 1970.

Molitor, Erich (M): Der Stand der Ministerialen: Vornehmlich auf Grund sächsischer, thüringischer und niederrheinischer Quellen, Aalen 1970.

Raudszus, Gabriele (R): Die Zeichensprache der Kleidung: Untersuchungen zur Symbolik des Gewandes in der deutschen Epik des Mittelalters, Hildesheim 1985. 

Sachsenspiegel (S)

Weiss, Hermann: Geschichte der Tracht u.d. Geräths im Mittelalter
vom 4. bis 14. Jh. Stuttgart 1883 

Karfunkel, diverse Ausgaben

Pax&Gaudium, diverse Ausgaben

WEB-Informationen: 
Sachsenspiegel im WEB I

Sachsenspiegel im Web II

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