Der Zähringer Löwe

 

Leben und Arbeiten in der mittelalterlichen Stadt, das wünschten sich viele in Abhängigkeit von den Feudalherren lebende Menschen. Stadtluft macht frei. Mit diesem Spruch unterschieden sich die Bürger von der abhängigen Landbevölkerung. Wer in die Stadt zog und nicht binnen Jahr und Tag = ein Jahr, sechs Wochen und drei Tage, von seinem Grundherrn zurückgeholt wurde, konnte nach Zahlung eines Bürgergeldes und Leistung des Bürgereides in der Stadt bleiben. Mit dem Bürgereid schwor er Gehorsam und Treue gegenüber dem Rat der Stadt und unterwarf sich dem Stadtrecht und dem städtischen Gericht. 

Am Werden der Stadt Bielefeld lässt sich das trotz weniger Quellen gut verdeutlichen. Wenn im folgenden von der Stadt im Bilivelde die Rede sein wird, so handelt es sich um die Altstadt, vetus oppidum. Tatsächlich war kurz vor Ende des 13. Jh., um 1293 herum, eine weitere selbständige Stadt namens Bilivelde - die Neustadt, novum oppidium im Entstehen, wie es eine Urkunde aus diesem Jahr belegt. Bielefeld hat es für etwas mehr als 300 Jahre zweimal gegeben, bis es 1520 zu einer gemeinsamen Stadt verschmolz.  

Eine Doppelstadt, die einfach Neustadt genannt wurde, war für das 13. Jh. im nördlichen und östlichen Westfalen keine Seltenheit, wie Herford, Warburg, Lemgo, Lippstadt, Osnabrück, Arnsberg, Salzuflen, Korbach, Haselünne oder Vechta es ebenfalls belegen können. Die Neustadt, mit Rathaus 1366 bezeugt, eigener Verwaltung und Verfassung, welche 1319 bezeugt ist, hat sich als Handwerkersiedlung erst nach und nach herausgebildet. Hier wohnten anfänglich die vielen am Bau der Altstadt beteiligten Handwerker, Knechte, Mägde, Tagelöhner, die Armen und Bettler, Stiftshörige und Stiftsministeriale.

 

 

 

 

 


   A.D. 1214 - Münstersche   Kaufleute gestalten
  ihre neue Stadt 
  im Bilivelde 

 


Der Reiter mit dem Sparrenschild

Stadtgründungen im 12. und 13. Jh. waren die Folge eines Bevölkerungswachstums und eines wirtschaftlichen Aufschwungs, der etwa um das Jahr 1000 einsetzte. Nicht zuletzt auch durch die Förderung staufischer Könige. Deren politische Absichten bestanden darin, dass Stadtgründungen Geld in die Kassen der königlichen Stadtherren brachte, die Versorgung und den in der Nähe befindlichen königlichen Hof sicherten und durch Straßenausbau, der auch für Truppenbewegungen von Nutzen war, den Handel weiter ankurbelte. Somit dienten Städte auch als Festungen zum Landesschutz. 

Im 12. Jahrhundert zählten die Zähringer zu den vornehmsten Familien des Hochadels. Sie verstanden es, die staufischen und die welfischen Streitereien für sich zu nutzen und den Machtbereich im Südwesten auszudehnen. Herrschaftsaufbau war auch eine Frage des Organisationstalents. Die Zähringer besaßen es und sind dabei einen viel versprechenden Weg gegangen, haben Reichslehen, Kirchenlehen und Eigengut zu geschlossenen Machtkomplexen zusammengefasst, haben diese systematisch mit Städten durchsetzt und mit einer schlagkräftigen Dienstmannschaft ihr Gebiet kontrolliert. Die süddeutschen Welfen machten es zu Barbarossas Zeiten nicht anders und Kaiser Friedrich II. hatte Mühe, die Sonderinteressen der Fürsten denjenigen des Reiches unterzuordnen. Bei dieser Umverteilung der Machtpositionen im Oberrheingebiet gingen die Zähringer als Gewinner hervor. 

Nach dem Vorbild der Reichsstädte gründeten auch die Landesherren im 13. Jh. Städte und Märkte zur Sicherung ihrer territorialen Herrschaft. Bei ihren Planungen blickten die geistlichen und weltlichen Herren in den Südwesten des Reiches zu den Zähringern. Diese haben ihre Städte ausnahmslos mit Hilfe der angeworbenen Kaufleute der benachbarten Städte aufgebaut, freilich unter Ausnutzung der welfischen und staufischen Streitereien.  

 

SIGILLUM BURGENSIUM
DE BILVELDE
Stadtsiegel Bilivelde
von 1263

Mein Aufsatz beinhaltet folgende Kapitel: 

Bielefeld wird Stadt 
Das Stadtrecht
Stadtrat und Stadtentwicklung
Gerichtsort und Münze
Handel und Handwerk
Kirchen und Klöster
Der Landesherr  

 

 

 


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