Der Zähringer Löwe

 

 


 

Von Münster ist keine Stadtrechtsverleihung überliefert. Es wird davon ausgegangen, dass sich das Recht angesammelt hat aus allgemeinem Kaufmannsrecht, regionalem Landrecht und einem eigenem Stadtrecht, ein sog. Willkürrecht, d. h. ein Recht von „Vorrechtsbürgern“ als herrschende Schicht der Bürgerschaft, woraus das Münstersche Stadtrecht als Gesamtgebilde dann entstand. 
Im 12. Jh. dürfte die Stadtwerdung Münsters abgeschlossen gewesen sein. Vorhanden waren ein Stadtgebiet, eine Stadtbefestigung und ein Stadtrecht. Die Bezeichnung als civitas taucht zum ersten Mal 1022/32 auf, danach 1137 und 1173.  

Privilegienbestätigung von 1326 für das 1214 erhaltene Stadtrecht

Als eine wichtige Quelle für das frühe Münsteraner Stadtrecht gilt die Stadtrechtsverleihung an Bielefeld 1214 (Urkunde einer Privilegien-bestätigung Kaiser Ottos IV. an Bielefeld, 1326 im Bielefelder Urkundenbuch, Nr. 4). Weil über Münster das Interdikt verhängt war, nahmen die Münsteraner Kaufleute das Münstersche Stadtrecht mit in die neu gegründete Stadt Bielefeld. Das lex municipalis, das im Bielefelder Stadtrecht 61 Artikel enthält, erwähnte unter anderem eine bestehende Bürgerschaft concivium samt Schöffen.

Eine direkte Quelle über die Zeit der Stadtgründung im Bilivelde scheint nicht vorzuliegen. Einer Urkunde des Schildescher Klosters von 1233 zufolge wird von einem in der Vergangenheit liegenden Gründungsakt, einer fundatio Bielefelds, gesprochen. 
Auf welche Weise das geschriebene Stadtrecht nach Bielefeld kam, ist eine Annahme. Es kann zwischen 1209 und 1214 als Abschrift münsterscher Schöffen in die Hände des Grafen Hermann gelangt sein. Allerdings hinterlässt diese Abschrift den Eindruck, als wäre das Stadtrecht aus dem Kopf und nicht von einer Vorlage niedergeschrieben worden. Deutlich wird dies an der unsystematischen Aufzählung der Rechtssätze. Einzig die ersten sieben Artikel über Erwerb und Verlust des Bürgerrechtes stellen eine zusammenhängende Gruppe dar. 

Aus dem Gottesfrieden, pax Dei, erwuchs die allgemeine Verpflichtung zur Waffenruhe Gottes, der Treuga Dei. Daher sind die Strafbestimmungen für Mord, Totschlag oder Körperverletzung hierdurch in das Stadtrecht eingeflossen. Die Strafen für Straßenraub und Diebstahl waren bereits durch das allgemeine Landrecht, das ab 1220 im Sachsenspiegel erstmals niedergeschrieben wurde, geregelt und brauchten daher im Stadtrecht nicht aufgeführt werden. Gemäß der Übertragungsformel ist die Rechtsübertragung von Münster nach Bielefeld vollständig und ungekürzt vollzogen worden.

Bielefeld hat nicht wie andere Städte, z.B. Lippstadt, Minden oder Osnabrück, sein „mitgebrachtes“ Recht an andere Städte weitergegeben. Gleichwohl dürfte im Laufe der Zeit, etwa ab Ende des 15. Jh., das Recht entsprechend modifiziert worden sein. Für die öffentliche und private Rechtspflege kannte das Mittelalter keine allgemein gültigen Gesetzbücher.
Selbst der Sachsenspiegel wurde je nach Landesteil mit „eigenem“ gewachsenem Recht nach und nach ergänzt. So entstand daraus der Wolfenbütteler Sachsenspiegel, der Schwabenspiegel und der Oldenburger Sachsenspiegel.
Mittelalterliche Städte hatten ihr eigenes Recht, das auch nur bei ihnen galt. Sie wachten sorgfältig darüber, dass nach Rechtsergänzungen oder weiterer Privilegierung seitens des Stadtherrns alles in Geltung blieb und sich keine fremden Gerichtsgewalten in die eigene drängte.

Heute können wir nur fasziniert feststellen, dass Städte 500 bis 600 Jahre lang ein beinahe unverändertes Stadtrecht besaßen und danach verwaltet wurden. So ist auch zu erklären, dass alljährlich in einer öffentlichen Versammlung, Bürgersprachen, die burgenses verpflichtet waren, sich dieses Recht im feierlichen Rahmen vorlesen zu lassen. Wer allerdings nicht erschien, zahlte fünf Pfennige Strafgeld.

 

 


Graf Otto III. von Ravensberg wiederholt und erneuert der Stadt Bielefeld das verliehene Münstersche Stadtrecht. Einen Hinweis auf den Geltungsbereich des Münsterschen Stadtrechts für die Stadt Bielefeld ergibt sich erst im letzten Satz.

>> zum Wortlaut der Urkunde ...

 
   
 
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