Der Zähringer Löwe

 

 


Das älteste vorhandene Bielefelder Stadtsiegel, das zum ersten Mal 1263 an einer Urkunde erscheint, zeigt die Stadtmauer mit einem Wehrgang mit Zinnen sowie zwei Türme mit zinnenbewehrten Vorsprüngen. Ein weiteres Siegel, das unverletzt erhalten ist, stammt aus dem Jahre 1270. 

Der halbkreisförmige Bogen im unteren Teil des Siegels stellt keinesfalls eine Brücke dar, wie das zuweilen behauptet wird, sondern eine nach vorne gebogene Mauer. Möglicherweise sollte damit der hufeisenförmige Verlauf der Stadtmauer, vor allem aber die Wehrhaftigkeit der Stadt zum Ausdruck kommen.

Außerdem sollte Platz geschaffen werden für den Wappenschild mit den drei ravensbergischen Sparren unseres Stadtherrn. 

Die Siegelumschrift lautet: SIGILLUM BURGENSIUM DE BILVELDE. Das Siegel der Altstad = vetus oppidum ist in dieser Form das ganze Mittelalter hindurch in Gebrauch gewesen. Mit burgenses sind freilich nur die Vollbürger gemeint, die ein bestimmtes Ansehen, Vermögen und Besitz in der Stadt besaßen. Handwerker, Höker, Krämer, Tagelöhner benannten sich in der Umschrift ihres späteren Siegels der Neustadt = novum oppidum, die am Ende des 13. Jh. um 1293 entstanden war, als "nove civitates": Sigillum nove civitatis de Bilvelde. 
 

 

Woher das Stadtwappen kommt, hat Horstmann untersucht. Bekannt sind die guten Beziehungen der Ravensberger Grafen zu den Bischöfen in Münster. Bekannt ist auch der Grundbesitz der Grafen vor den Toren der Bischofsstadt. 
Im Kreuzgang des Doms zu Münster, der nach einem Brand am Ende des 11. Jh. wieder neu errichtet worden war, findet sich unterhalb eines großen Steinreliefs, das an der Rückseite der Sakristei angebracht ist, eine kleine unscheinbare Konsole. Diese Konsole dürfte das älteste heraldische Zeugnis in Westfalen sein. Es zeigt einen gerüsteten Reiter mit einem Dreieckschild und darauf die Sparrenlinien. Da es zu dieser Zeit in Westfalen nur eine Familie mit diesem Wappenbild gab, kann es sich nur um einen der Grafen von Ravensberg handeln. Im Vergleich mit Siegelbildern weisen Rüstung, Helmbrünne = hersenier, Schildform, Kopfschutz des Pferdes = testier, auf die Zeit am Ende 12. Jh. hin. Dass der Reiter seine Lanze in der falschen Hand führt, mag am Steinmetz gelegen haben, der es wohl nicht besser hinbekommen hat.  

 

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