Der Zähringer Löwe

Die Geschichte Badens ist auch immer die Geschichte der Herrschaft der Herzöge von Zähringen und der Markgrafen von Baden. Sie schildert die Markgrafenschaften der frühen Neuzeit bis zur Vereinigung von 1771, bis zum Staat des 19. Jahrhunderts.  

Bei der Darstellung (meiner) und Betrachtung (als moderne Menschen) dieser Geschichte darf nicht übersehen werden, dass das dynastische Prinzip in der alteuropäischen Welt nicht eine Kategorie neben anderen, sondern die gestaltende Kraft war. So hing z.B. auch die Frage der konfessionellen Zugehörigkeit über Jahrhunderte von der persönlichen Entscheidung des jeweiligen Fürsten ab. Das lässt sich an der Geschichte der Teilungen der Markgrafschaft gut verfolgen bis in unsere Zeit hinein, bis zur Abdankung dieser alteuropäischen Herrschaftsart 1918 - das Staatsvolk wurde jetzt zum Souverän.  

Was (mich und) uns jedoch interessiert, ist die auf dieser Homepage dargestellte Zeit, die Zeit zwischen 1200 und 1300, auch wenn wir dazu manchmal weiter zurückgehen oder nach vorne blicken müssen. Genauso schwierig ist eine Einzelbetrachtung der Geschichte Badens, der Zähringer oder des Herzogtums Schwaben - diese badische Geschichte ist ein dichtgewebtes Netz von urgemeinsamen Interessen der Herrscher. Wo also anfangen die Geschichte Badens zu beschreiben, wenn ich die Zeit meines Hobbys in die Stauferzeit des 13. Jh. gelegt habe? In Limburg bei Weilheim an der Teck, auf dem Berg mit der Burg der Zähringer und oberhalb des gleichnamigen Dorfes, in Backnang oder in Baden-Baden?  

 

 

badisches Wappen
© Kunsthistorisches Museum, Wien

 


Für Baden-Baden spricht eine urkundliche Erwähnung im Jahre 1112, in der sich Markgraf Hermann "de Baden", Markgraf von Baden nennt. Etwa um 1100 wurden ihm vom König Grafschaftsrechte im Ufgau mit Besitzungen im Tal der Oos, im Ort Baden verliehen. Der Platz hatte Tradition: die alten Badanlagen mit der Heilkraft des Wassers wussten schon die Römer zu schätzen. Hier stand bereits eine Kirche als geistiges Zentrum und schwäbische Adelsfamilien konzentrierten hier ihre Besitzungen. Markgraf Hermann wählte für seinen Stammsitz einen exponierten Platz für seine Burg: sie lag 300 Meter hoch, fast unzugänglich und nur mühsam zu erreichen, im Felsengestein des Battert. Weshalb er sich gerade diesen Platz ausgesucht hat, lässt sich heute kaum nachvollziehen. Im 12. Jh. war diese Burg bereits zu einer repräsentativen Anlage ausgebaut worden und sie blieb es durch die kommenden Jahrhunderte hindurch auch. Mit dieser Burg verbinden sich die späteren Schicksale der Markgrafen von Baden. Die Markgrafen gab es schon lange, bevor sie sich in Baden-Baden niedergelassen haben. 

Am Nordrand der Schwäbischen Alb, in Limburg bei Weilheim, auf einem von der Natur geschützten Bergplatz stand einst eine gut ausgebaute Burg, die des Bertold I., Herzog von Kärnten. Bereits vor 1073 hatte er das bei Weilheim gelegene Benediktinerkloster gegründet, das 1093 nach St. Peter im Schwarzwald verlegt und zum zähringischen Hauskloster erhoben wurde. Bertholds Gattin Richwara war angeblich die Tochter Herzog Hermanns IV. von Schwaben. So hoffte Berthold I. zeitlebens auf dieses Herzogtum, das Heinrich III. ihm versprochen hatte. Immerhin hatte ihm der Kaiser einen Ring zum Pfand überreicht. Später, als die Kaisergattin Agnes Regentin wurde und Berthold sein Pfand einlösen wollte, habe sie den Grafen Rudolf von Rheinfelden mit dem Herzogtum Schwaben belehnt und Berthold mit dem Herzogtum Kärnten 1063 abgefunden, was ihm schon 10 Jahre später wieder abgesprochen wurde. 

Zum Herzogtum Kärnten gehörte auch die Mark Verona mit der strategisch wichtigen Alpenquerung, der Veroneser Klause und dem Übergang über die Etsch. Beide Titel vererbte Berthold auf seine Söhne: Herzog Berthold von Zähringen (der jüngere Sohn) erbte den väterlichen Besitz im Breisgau, Markgraf Hermann von Verona den um die Limburg. Während Hermann seinen Titel und auch seinen Namen sofort auf seine Nachkommen vererbte, der nach ihm sechs Generationen beibehalten wurde, erbten die Kinder von Berthold dessen Namen und verbanden ihn mit dem Herzogentitel. Unter Berthold II. wurde der Name mit dem Namen der Burg Zähringen zum dux de Zahringen und später zum dux Zaringiae, zum Herzog von Zähringen verbunden. Das sich hieraus erwachsene Selbstbewusstsein der Zähringer führte zur Verlegung und zum Ausbau des Herrschaftszentrums in den südlichen Schwarzwald.

Doch zurück zu Berthold I. In seinem Kampf gegen König Heinrich IV. hatte Bertold die Verwüstungen Schwabens mit ansehen müssen. Über seinen großen Schmerz darüber, sei er wahnsinnig geworden und habe sich daraufhin in sein oppidum Lintperg zurückgezogen. Nach sieben Tagen verstarb er dort 1078, während des Investiturstreites. Zu seinem weiteren Besitz gehörte auch die Teck. Hermann, einer von Bertolds Söhnen, wird Graf von Limburg genannt und auch dessen Sohn nennt sich um 1100 Markgraf von Limburg.

 

 

 

 

 

Geschichte Badens,
Kohlhammer-Verlag

© Landesvermessungsamt
Baden-Württembeerg
AZ: 2851.3-D/252


 

Zähringer Burgberg
© Generallandesarchiv Karlsruhe 14/4 

 

Kurz vor 1100 muss die Burg der Zähringer erbaut worden sein, ungefähr zur gleichen Zeit als die Burg Hohenbaden bei Baden-Baden erbaut wurde. Auch die Zähringer Burg liegt hoch auf einem Berg und weitab von dem Dorf Zähringen. Ungewöhnlich daran ist, dass beide Plätze vom eigentlichen Geschehen des zu bewirtschaftenden Raumes weit entfernt liegen. Und es hat den Anschein, dass die Plätze mit Sorgfalt und Bedacht ausgewählt worden sind. Was waren die Gründe für die Herzoge von Zähringen den Mittelpunkt ihrer Herrschaft, nach dem sie sich fortan nannten, an so einem Platze zu errichten?
Erst im 18. Jh. erhielt man bei Ausgrabungen auf diese Frage eine Antwort: der Platz war schon sehr viel früher besiedelt gewesen und musste eine hohe Bedeutung gehabt haben. In der Ebene entstand ein Dorf - Zähringen genannt. Der Ursprung der Zähringer liegt also auf der Bergkuppe mit der anfänglich recht bescheidenen Höhenburg. Zur gleichen Zeit im 18. Jh. erforschte man auch die Urkunden und Bücher des in 900 Meter Höhe des südlichen Schwarzwaldes gelegenen Klosters St. Peter, das gar nicht weit von der Burg der Zähringer entfernt lag. Man fand die Gründungsurkunden des von den Zähringern gestifteten Klosters. Die Suche brachte Erstaunliches zu Tage: so entdeckte man Aufzeichnungen über die Vorfahren der Markgrafen von Baden! Der Vater des Erbauers der Burg Hohenbaden, Markgraf Hermann, sowie der Herzog Berthold von Zähringen, der Erbauer der Burg Zähringen, waren Brüder - ihr gemeinsamer Vater war Berthold I., der Herzog von Kärnten. Von ihm leiten sich in der Folgezeit fünf Bertholde ab, welche ebenfalls Herzöge waren und die gemeinhin als "die Zähringer" angesprochen wurden. Und da auch Hermann zu der Familie gehörte, wurde er ebenfalls ein Zähringer und ebenso seine Nachkommen - sechs weitere Markgrafen namens Hermann und deren Nachkommen, also die Markgrafen von Baden bis hin zu Karl Friedrich des 18. Jahrhunderts, wo sich nahtlos die Großherzöge von Baden anschlossen.   

 

 


Burgtürme

© Generallandesarchiv Karlsruhe C 25 


Im 12. Jh. zählten die Zähringer zu den vornehmsten Familien des Hochadels. Sie verstanden es, die staufischen und die welfischen Streitereien für sich zu nutzen und den Machtbereich im Südwesten auszudehnen. Herrschaftsaufbau war auch eine Frage des Organisationstalents. Die Zähringer besaßen es und sind dabei einen viel versprechenden Weg gegangen, haben Reichslehen, Kirchenlehen und Eigengut zu geschlossenen Machtkomplexen zusammengefasst, haben diese systematisch mit Städten durchsetzt und mit einer schlagkräftigen Dienstmannschaft ihr Gebiet kontrolliert.Die süddeutschen Welfen machten es zu Barbarossas Zeiten nicht anders und der staufische Kaiser Friedrich II., stupor mundi hatte Mühe, die Sonderinteressen der Fürsten denjenigen des Reiches unterzuordnen. Bei dieser Umverteilung der Machtpositionen im Oberrheingebiet gingen die Zähringer als Gewinner hervor, während Hermanns Erben, die Markgrafen von Baden, die Grundlage für ihr künftiges Territorium legten. In badischen Landen sah man jetzt immer häufiger die neuen Farben: das Wappen mit dem Schrägbalken, Rot in Gold. Nachdem die Zähringer ausgestorben waren, traten die Markgrafen von Baden das Erbe an - eben als Herzoge von Zähringen, als Landgrafen des Breisgau oder als Vögte des Hausklosters St. Peter. So beginnt die Geschichte der Zähringer an zwei Orten: in Baden-Baden und auf der Burg der Zähringer. Und die Platzwahl der Burgen der beiden Brüder? Sie werden sich besprochen und ihre wichtigen Gründe gehabt haben. 

In der Folgezeit kam es zu weiteren Kloster- und Stadtgründungen - worüber noch zu berichten sein wird. Im 12. Jh. war Baden-Baden noch ein Einzelbesitz, der dortigen Markgrafen. Kaiser Heinrich IV. hatte 1098 erreicht, was Welfen, Zähringern und Staufern in 20jährigen Auseinandersetzungen nicht gelang: ein Friedensakt. Fortan herrschte Frieden in Schwaben, weil Kaiser Heinrich den Zähringer Berthold zum Verzicht auf das Herzogtum Schwaben bewegen konnte, während er es dem Staufer Friedrich beließ. Ihre Herzogen- und Markgrafentitel durften sie behalten. Auch Markgraf Hermann II. von Baden war Teil dieses Bündnisses und durfte seinen Titel behalten.
Zwischenzeitlich kam es zwischen Heinrich V. und seinem Vater zum Zerwürfnis und die Fürsten, auch Hermann, schlugen sich auf die Seite des Königs. Mit dem Friedensschluss erhielt Hermann II. vom Kaiser den Ort Baden verliehen, der sich bis dahin im Besitz des Speyrer Bischofs Johann I. von Kraichgau befand.

 

 


Herzog Berthold I.
von Zähringen

© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

 

 

 

 

 

 


Die weitere Entwicklung des Ortes Baden spielte sich jedoch anderswo ab - in Backnang. Die Stiftskirche St. Pankratius in Backnang wurde für Hermann II. und auch für seine Nachkommen zur Grablege. Das war schon ein merkwürdiger Vorgang: die namensgebende Burg lag immerhin 100 Km südwestlich davon entfernt im Tal der Oos, wie wir bereits wissen. Es widersprach auch dem zeitgemäßen Brauch. Nun geht aus den Stiftungsurkunden hervor, dass Hermann II. Backnang von seinen Eltern geerbt hat. 1116 bat er demnach Papst Paschalis II. die Stiftskirche in seinen päpstlichen Schutz zu nehmen. Die Pfarrkirche in Backnang hatte Hermann zuvor in ein nach der Augustinerregel lebendes Chorherrenstift verwandelt. Und der Speyrer Bischof war (musste) mit der organisatorischen Durchführung betraut worden. Schließlich gehörte Backnang zu dessen Diözese. Hermanns Mutter, die Gattin des am 25. April 1074 in Cluny als Laienbruder verstorbenen Hermann I., hatte viel Heiratsgut mitgebracht und u.a. besaß sie auch im Breisgau große Güter. So verwundert es auch nicht, dass in ihrem Umkreis das Clunianzenserpriorat St. Ulrich entstand.

Auf dem Wormser Konkordat von 1122 muss es bereits zwischen Zähringern und Badenern zu weitreichenden Absprachen gekommen sein. Um das Weihnachtsfest herum trafen sich Markgraf Hermann und Konrad, der Bruder des gerade im Kampf gefallenen Berthold III., in Speyer und schlossen eine Art Hausvertrag in dem sie ihre künftigen Positionen festhielten und in dem sich die Markgrafen vom Hauskloster St. Peter lösten und das Stift in Backnang an dessen Stelle trat. Mit diesem Akt bereiteten sie vor, was später etwa um 1400 unter Bernhard I. und mit dessen Bruder für lange Zeit festgeschrieben wurde: das Land dürfe nie in mehr als zwei Linien geteilt werden und innerhalb jeder Linie müsse das Erstgeburtsrecht zu gelten. Hermann II. wird wohl bald nach der Zusammenkunft in Speyer gestorben sein. Seine Grablege ist, wie gesagt, die Stiftskirche St. Pankratius in Backnang.



oberes Siegel:
Reitersiegel Markgraf
Hermann V. von 1207

unteres Siegel:
Damensiegel Markgrafin Irmengard von 1248

© Generallandesarchiv Karlsruhe 4/5048 

 

 

 


Um 1130 tritt sein Sohn Hermann III. sein Erbe an. Und zu diesem Zeitpunkt war bereits vollzogen, was Herzog Berthold III. noch zu Lebzeiten schon lange vorher vorbereitet und sein Bruder Konrad schließlich vollendet hat: eine Burg auf dem Freiburger Schlossberg zu errichten und die Stadtgründung von Freiburg nach 1120 und diese mit großzügigen Privilegien auszustatten.
Hermann III. begleitete indessen die Stauferkönige Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa als engster Vertrauter und zieht mit dem ersten Stauferkönig als Kreuzfahrer ins Heilige Land. Mit Konrad verknüpfen sich enge Bande: Hermanns Gattin Bertha war wohl eine Tochter Konrads. Sein Titel Markgraf von Verona, vom Großvater erhalten, taucht in einer Urkunde von 1148 auf. Weitere Male im Jahr 1155 unter Friedrich I. und 1160. In einer Urkunde Friedrich I. aus dem Jahre 1153 wird im Namen der Äbtissin des elsässischen Damenklosters Erstein der Hof Besigheim an Markgraf Hermann III. von Baden übertragen, den die Kaiserin Agnes an Erstein geschenkt hatte. Hermann ließ diesen Hof stärker befestigen und seine Nachkommen erhoben ihn zur Stadt. Wann Hermann III. verstarb ist ungewiss.
Hermann IV. wird wie sein Vater Markgraf von Verona genannt und 1177 nennt ihn eine Urkunde Herr über die ganze Mark Verona. 1184 bezeugt eine Urkunde, dass er sich die meiste Zeit seines Lebens in Italien aufgehalten hat als: Armannus Teutonicus marchio. 1190 ist er in Antiochia als Kreuzritter gestorben.

Obwohl sich abzeichnete, dass Zähringer und Badener diesen Landesteil fest in ihrem Griff hatten, von ein paar Fehden abgesehen, hätte sich 1164 so eine Privatfehde, bekannt als die Tübinger Fehde beinahe zu einem Krieg entwickelt. Hauptsächlich deshalb, weil die junge Generation des Staufergeschlechts jetzt in die Fehde um den Pfalzgrafen Hugo von Tübingen eingriff, womit sie Kaiser Friedrich in arge Verlegenheit brachten. Erst mit Hermann V. änderte sich die politische Lage auch in Baden. Einer Urkunde des Jahres 1197 zufolge, verpfändete er die Vogtei des Klosters Selz. Wofür das Geld verwendet wurde, ist unbekannt. Möglicherweise unterstützte er damit staufische Abenteuer in Italien. Und wahrscheinlich erhielt er dafür auch eine Gegenleistung. Ein Reitersiegel zeigt Markgraf Hermann V. und das geführte Wappen mit dem Schrägbalken, Rot in Gold, so wie es als badisches Staatswappen bis zum Ende Badens geblieben ist. Das badische Wappen ist ein sog. Urwappen, vermutet man, wie der Adler der Zähringer oder der Löwe der Welfen. Ungeklärt ist, ob die Badener dieses Wappen bereits bei den oben beschriebenen zähringischen Familienverträgen angenommen haben.  

[Mit der Bezeichnung Zähringer Löwe indes ist keine Person gemeint; er ist auch nicht der (nach rechts gerichtete) pfälzische Löwe (gold auf schwarzem Grund), welcher Anfang des 19. Jh. ins Mannheimer Wappen gelangte, wie fälschlicherweise angenommen wird, sondern unzweifelhaft das Wappentier der Zähringer. Der (nach links gerichtete goldene) Löwe (auf rotem Grund) als Wappentier, so wird vermutet, hat den Adler als Wappentier der Zähringer abgelöst. Wann das war ist nicht bekannt.]

Markgraf Hermann sieht man häufig zusammen mit seinem zweiten Bruder Friedrich auftreten. Friedrich schloss sich irgendwann in dieser Zeit dem Kreuzzug des Königs Andreas von Ungarn an und kommt vom Kreuzzug nicht mehr zurück. Zwischenzeitlich beendet war auch das Doppelkönigtum des Staufers Philipp und des Welfen Otto IV. Friedrich II. war von Italien kommend in Deutschland eingetroffen. Hermann hielt bis dahin Otto die Treue, trat aber 1214 zum Staufer über, den er mit seinem Bruder (Friedrich) seitdem begleitete. Einige Handreichungen dürften seinen Entschluss schmackhafter gemacht haben. König Friedrich II. jedenfalls kaufte sich auf diese Weise seine Ritterschaft zusammen - Geld, das er vom französischen König Philipp eigens dafür erhalten hatte.
Hermanns dritter Bruder Heinrich hatte eine eigene Linie begründet, die der Markgrafen von Hachberg, welche sich nach der Hochburg bei Emmendingen nannte und bis 1503 bestand. Als ab 1218 die Zähringer ausstarben, hatte er den an die Markgrafen gefallenen Anteil des Zähringer Erbes im Breisgau erhalten, wozu auch die Landgrafschaft im Breisgau und die Schutzherr-schaft des Zisterzienserklosters Tennenbach am Fuße der Hochburg gehörten. Hier fanden die Hachberger künftig ihre Grablege. Heinrich ist dort 1231 bestattet worden.

Das Aussterben der Zähringer nach dem Tode Bertholds V. bedeutete für den jungen Staufer Friedrich II. einen riesigen Machtzuwachs, auch wenn er nicht gerade zu den Erben der Zähringer gehörte. Mit diesem Machtzuwachs einher gingen sehr komplizierte Rechts- und Erbfälle, die, hochpolitisch, von Friedrich II. zu lösen waren und, wir nehmen es vorweg, was ihm mit Bravour gelang.
Zum Einen sah Friedrich zwischen Welfen und Zähringern (die untereinander verschwägert waren) eine erwachende Allianz und konnte sie rechtzeitig unterbinden, zum Anderen konnte er den zähringischen Machtkomplex zerschlagen bzw. für sich nutzen und wenigstens versuchen, die Reichsrechte wieder an sich zu bringen. Erben Bertholds wurden die Grafen von Urach, Vorfahren der späteren Fürstenberger, und die Grafen von Kiburg, welche einen Großteil des Zähringer Erbes südlich des Oberrheins erhielten, aus dem dann noch später die Habsburger ihren Herrschafts-bereich beziehen sollten. Nicht klar ist, was die Markgrafen von Baden erbten. Heinrich von Hachberg muss es genügt haben. Hermanns V. Machtpolitik wird deutlich an einer Urkunde des Jahres 1234 von Kaiser Friedrich II., welche in Italien erneuert und ausgestellt wurde: sie war den Markgrafen so wichtig, dass sie sie mit einer Goldbulle besiegeln ließen. Der der Urkunde zugrunde liegende Rechtsvorgang liegt bereits im Jahre 1219. Danach hatte (der damalige König) Friedrich II. dem badischen Markgrafen Hermann die Städte Lauffen, Sinsheim und Eppingen verpfändet, hatte ihm Ettlingen zu Lehen und Durlach als Eigenbesitz verliehen, als Ersatz für Erbansprüche, die Hermann durch seine Gattin Irmengard auf die Güter des Herzogs Heinrich von Braunschweig besaß.

Nun fragt man sich natürlich, weshalb der König 1219 den Markgrafen für Erbansprüche an einem Enkel Heinrichs des Löwen entschädigte. Die Kompliziertheit wird noch größer, weshalb wir abermals weiter ausholen müssen, um einigermaßen Klarheit zu schaffen. Als 1219 die erste Urkunde ausgestellt wurde, sah es so aus, als wäre der Markgraf Hermann von Baden der Unterlegene gewesen. Tatsächlich hatte er nur die Gunst der Stunde zum Vorteil für seinen Herrschaftsaufbau genutzt. Als Liebesgeschichte fing es an und ging, wie so oft in hohen Kreisen, in die hohe Politik über. Barbarossa hatte staufisches Besitzgebiet an Konrad, seinen Halbbruder übergeben, welcher das Kloster Schönau gründete und an Heidelberg das Stadtrecht verlieh. So entstand am unteren Neckar ein staufisches Sondergebiet, das mit der Pfalzgrafschaft verbunden war. Agnes, die Tochter des Pfalzgrafen Konrad, vermählte sich in aller Heimlichkeit und gegen den erklärten Willen des Kaisers und zum Entsetzen der ganzen staufischen Familie mit Heinrich, einem Sohn Heinrichs des Löwen, einem Welfen. Der Kaiser tobte vor Wut. Pfalzgraf Konrad war sein Onkel und Agnes demnach seine Cousine und obendrein eine der reichsten Erbinnen in Europa. Sie war bereits feierlich dem französischen König Philipp versprochen worden. So musste doch am Ende zwangsläufig die Versöhnung stehen von zwei Familien, die seit Menschengedenken miteinander verfeindet waren. Bald bekamen die jungen Leute einen Sohn, den sie ebenfalls Heinrich nannten und im ganzen Reich sprach man über dieses Liebespaar.
Bis 1212, als Heinrich von Braunschweig abdankte, war die Pfalzgrafschaft welfisch. 1214 starb sein Sohn. Dessen Schwestern Irmengard und Agnes waren mit Markgraf Hermann von Baden bzw. mit dem Herzog Ludwig, ein Wittelsbacher, vermählt und einer sollte 1214 die Pfalzgrafschaft erhalten. Beide dienten dem noch jungen König Friedrich II. In dieser Erbangelegenheit durfte Friedrich keinen von beiden kränken oder benachteiligen. Zur gleichen Zeit starb auch die Linie der Grafen zu Lauffen aus. Sie waren mächtige Fürsten, die in ihrem Gebiet des unteren Neckar und im Kraichgau reich begütert waren. 1218 verzeichnete man den schon erwähnten Erbfall des Berthold V. von Zähringen. Der König musste also die Reichslehen der ausgestorbenen Familien wieder an sich nehmen, hatte darauf zu achten, dass er selbst nicht zu kurz kam und musste sich mit den Erben so verständigen, dass ihre Ansprüche gerecht aufgeteilt wurden und ohne dass einer der Gegner des Staufers dabei zu mächtig wurde. Markgraf Hermann gehörte zu den Erben der Zähringer; Erben der Grafen von Lauffen waren die Herren von Dürn, die auf Wildenberg im Odenwald residierten. Friedrich II. gelang es, einen Großteil des Lauffener Erbes an sich zu bringen, so das wormsische Wimpfen, die Stadt Lauffen, Sinsheim, Eberbach und das Kloster Odenheim. Sein Favorit für die Pfalzgrafschaft war Herzog Ludwig I. von Bayern, der sie letztlich auch erhielt. Seit 1214 gehört die Pfalz dem bayrischen Herzogenhaus der Wittelsbacher an und blieb es bis 1800. 

 


Barbarossa überträgt 1153 den Hof Besigheim an Markgraf Hermann III.

© Hauptstaatsarchiv Stuttgart HStAS H 51 U 9

 


Das Kunststück des jungen König bestand darin, indem er ein neues Bündel schnürte und daraus neue Anteile verteilte, mit denen alle Beteiligten sich einverstanden erklärten. Markgraf Hermann war mit Geld und mit Reichslehen entschädigt worden. Durlach, Ettlingen, Sinsheim, Lauffen und Eppingen wurden badisch, wenn auch zum Teil nur als Pfandgut. 1219 hatte man ein großes Geschäft abzuwickeln. Was mit dem Markgrafen ausgehandelt worden war, weiß man eben aus der Urkunde von 1234, in der alles wiederholt wurde. Soweit so gut. Jetzt plötzlich mischt sich ein anderer in diese Angelegenheiten ein: der eigene aus erster Ehe stammende Sohn Friedrichs II., der junge noch unerfahrene Heinrich (VII.), seit 1222 König unter seinem Vormund Erzbischof Engelbert von Köln. Engelbert wurde 1225 von seiner eigenen Verwandtschaft erschlagen. Nachfolger Engelberts wurde Herzog Ludwig I. von Bayern, der nun die Vormundschaft über Heinrich innehatte.

Heinrich (VII.) versuchte im unteren Neckargebiet eine eigene staufische Königslandschaft aufzubauen, im wissentlichen Gegensatz zum Vater und von diesem 1232 in Aquileja vorgewarnt, als Heinrich sich vor allen versammelten Fürsten vor seinem Vater und Kaiser demütigen und einen Eid leisten musste, indem er sich zur Reue bekannte, der ihn zur Treue verpflichtete und ihn im Falle der Zuwiderhandlung freiwillig und im Voraus der Exkommunikation auslieferte! Kaum war Heinrich wieder in Deutschland, kehrte er auch zu seiner alten Auffassung von Politik zurück. Bei seinen Bauplänen im unteren Neckargebiet im Wege, war ihm Hermann, ein getreuer Gefolgsmann Friedrichs und Zimmerer seines eigenen Territoriums um Backnang, die Burg Reichenberg, Besigheim, Marbach, Lauffen und Steinheim an der Murr. Geschickt ist Heinrich dabei nicht vorgegangen und machte sich alsbald die Fürsten zu Feinden, insbesondere seinen früheren Vormund, den Pfalzgrafen Ludwig. Es kam wie es kommen musste, ein Krieg zwischen Vater und Sohn entbrannte im Schwabenlande, in dem Heinrich unterlag, sich unterwerfen und 1235 dafür und auch für den Krieg gegen seinen Vormund schwer büßen musste. Auf verschieden Burggefängnissen Italiens verstarb er 1242. Man nimmt an, er habe sich selbst das Leben genommen. 

Kaiser Friedrich II. erneuert 1234 eine Urkunde von 1219 und bestätigt sie mit einer Goldbulle

© Generallandesarchiv Karlsruhe D 31

 


Aus diesen Wirren heraus und aus der Auflehnung des Sohnes gegen den Vater entstand 1235 auf dem Hof- und Reichstag zu Mainz das von Friedrich II. erlassene Gesetz, der Mainzer Reichslandfrieden, was heute als das erste schriftlich fixierte Grundgesetz in der deutschen Verfassungsgeschichte angesehen wird. Und aus diesen Wirren heraus entstand die 1234 ausgestellte Urkunde, in der der Kaiser dem Markgrafen Hermann von Baden noch einmal seine Lehen und Pfandschaften bestätigte. 1242 starb auch Hermann. Sein Leichnam wurde nach Backnang gebracht. Seine Witwe Irmengard stiftete Jahre später das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal bei Baden-Baden [das Kloster gibt es noch heute] und ließ Hermann nach dorthin überführen. Damit deutete sich eine Schwerpunktverlagerung des politischen Wirkens an und geht einher mit einer Vielzahl neuer Städtegründungen von Backnang-Stuttgart-Besigheim über Pforzheim bis nach Durlach und Ettlingen unter markgräflicher Herrschaft. Steinbach und Baden-Baden waren noch nicht zur Stadt erhoben, jedoch in den jetzt deutlich erkennbaren "Festungsgürtel" eingebunden. Hermanns Bruder, Hermann VI. verfolgte einen anderen Weg. Das Erbe seiner Gattin, eine Babenbergerin, eröffnete ihm den Weg nach Österreich und in die Steiermark und die Aussicht auf eine eigene Landesherrschaft. Das Privilegium minus ließ die weibliche Erbfolge im Herzogtum Österreich zu und war vom Papst Innocenz IV. bestätigt. 1249 zog Hermann tatsächlich als Landesherr in Österreich ein. Ein Jahr später ist er - wie man annimmt - einem Anschlag zum Opfer gefallen und wurde in Klosterneuburg beigesetzt. Seinen Herrschaftsanspruch übernahm sogleich sein Sohn Friedrich von Baden und hielt seinem königlichen Freund die Treue bis in den Tod. 1268 wurde dieser als 20jähriger mit dem 16jährigen König Konradin, dem letzten Hohenstaufen, in Neapel hingerichtet. 

Damit war der Auftritt der Badener in der Weltpolitik vorläufig beendet. Mit Markgraf Hermann VII. von Baden (†1291) verschiebt sich der Badener Standort von Backnang ganz nach Baden. Was auf das Ende der Staufer folgt, ist Aufsplitterung und Teilung des Territoriums Schwaben. Das alte über 200 Jahre gewachsene Zentralgebiet des Reiches. in dem sich Ereignisse und Entwicklungen von großer Bedeutung vollzogen, ist nicht mehr. Die Entwicklung der Markgrafen von Baden über diesen Zeitraum war kein Aufstieg - sie gehörten bereits zum Spitzenadel. Doch die Entwicklung zeichnet einen Konzentrationsvorgang, aus dem das (künftige) badische Territorium zwischen Nordschwarzwald und der Rheinebene hervorgehen sollte. Begonnen hatte es an zwei Orten, wie wir gesehen haben - in Baden-Baden und auf der Burg der Zähringer. Die Entwicklung der Markgrafen von Baden bewährte sich in der Konkurrenz mit den Pfalzgrafen bei Rhein und dem Speyerer Bischof im Norden, mit dem Württemberger Grafen im Osten, mit Städten und Rittern. 

 

 

 


 

Urkunde von Markgräfin Irmengard von 1248 zum Gründungsvorgang des Zisterzienserinnenklosters Lichtenthal 
© Generallandesarchiv Karlsruhe 33/36

 

Mit dem Ende der staufischen Herrschaft beginnt der Aufstieg Badens heraus aus dem Erbe der Zähringer und Staufer, ein kleines zersplittertes aber grundsolides Territorium, um Baden-Baden und Pforzheim. Als eigentliche Stammväter der Markgrafschaft Baden gelten jedoch Berhard I. (1372 - 1431) und Christoph I. (1475 - 1515). Die Bertholde und Hermanne vor Ihnen bereiteten Ihnen den Weg dazu vor. Während ältere Besitztümer nach und nach verloren gingen, gewannen die Markgrafen am Oberrhein, im Elsass und in der Pfalz und sogar in Luxemburg eine Herrschaft nach der anderen dazu: 1237 Liebenzell, 1283 Eberstein, 1309 die Stadt Stollhofen, die Herrschaft Hachberg 1415, Steinegg 1439, Lahr und Mahlberg (sog. Kondominate) 1442. 1497 die mit der Pfalz geteilte Grafschaft Sponheim, 1492 die luxemburgische Herrschaft Rodemachern, 1481, 1503 Teile von Hohengeroldseck, die Vogteien über die Klöster Frauenalb 1387, Reichenbach 1399, Schwarzach 1422 und Herrenalb um nur einige wichtige zu benennen. Der Höhepunkt war jedoch die Vereinigung der unteren Markgrafschaft um Baden-Baden und Pforzheim mit der oberen Markgrafschaft, den Herrschaften Sausenberg, Rötteln und Badenweiler im Jahre 1503, welche von Markgraf Christoph I. durch Erbverträge mit den Vettern langfristig vorbereitet hat. Doch soweit reicht unser Betrachtungszeitraum nicht.

 

 

 

 

 

Quellen  

Vehse, C. E.: Die Höfe zu Baden, 1992;  

Schwarzmaier u.a.: Die Geschichte Badens in Bildern · 1100-1918;

Walter, F.: Die Siegelsammlung des Mannheimer Altertumvereins, 1897; Aufsatz: "Das Mannheimer Stadtwappen".

WEB-Informationen: 
Genealogie der Zähringer  

Unter diesem Link findet man die Stammtafeln der Herzöge von Zähringen und der Markgrafen und Großherzöge von Baden:
Stammtafeln der Herzöge & Markgrafen 

Cisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal 
Seit über 750 Jahren beten und arbeiten Cistercienserinnen an diesem Ort - die Website bietet sehr viel geschichtlichen Hintergrund über das Kloster

 

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