Der Zähringer Löwe

 

 

 



Der Betrachtungszeitraum dieser Abhandlung bezieht sich auf die Entstehungszeit dieses Ordens und auf das Wirken der Zisterzienser im 13. Jh. Abt Bernhard von Clairvaux, *um 1090 auf Burg Fontaine-lès-Dijon bei Dijon; †20. August 1153 in Clairvaux bei Troyes, war einer der bedeu-tendsten Mönche des Sacre Ordo Cisterciensis, abgekürzt SOC oder in der neuen Schreibweise Ordo Cisterciensis = OCist, des Zisterzienserordens.

1112 trat Bernhard mit 30 Gefährten, darunter vier seiner Brüder und zwei Onkel, in das 1098 von Robert von Molesme und seinem Prior Alberich von Cîteaux neu gegründete Kloster Cîteauxcistercium, ein, von dem sich der Name der Zisterzienser ableitet, um streng nach den Ordensregeln zu leben, die Benedikt von Nursia 540 für seine Mönche, mónos = allein, aufgestellt hatte. Roberts Nachfolger im Kloster von Cîteaux, Alberich, gelang es um 1100, die Anerkennung des Ordens durch Papst Paschalis II.zu erwirken.  

Dem dritten Abt, dem aus England stammenden Stephan Harding, verdankt der Zisterzienserorden die Formulierung seiner Verfassung der Nächstenliebe. Das Kloster liegt in der Region Burgund, etwa 25 km südlich von Dijon, in einem Tal. Bedeutung hat Cîteaux als Ursprungskloster und Ausgangspunkt des Zisterzienserordens, der mit Tochterklostergründungen auch in Deutschland großen Einfluss hatte. Bereits zwei Jahre später, im Jahre 1115, sandte man ihn aus, um in der westlichen Champagne das Kloster Clairvaux, Clara Vallis = helles Tal, zu gründen. Bernhard wurde dessen erster Abt. Clairvaux wurde zum Ausgangspunkt vieler Tochterklostergründungen, von dem eine Erneuerung des klösterlichen Gemeinschaftslebens ausging. 

Bernhards Anspruch war es, von Clairvaux aus, eine auf der Grundlage der Regel des Hl. Benedikt, der Regula Benedicti, basierende monastische Reformbewegung zu beginnen. Die Brudermönche von Cluny waren von ihrem Weg abgekommen, den sie einst im 10. Jh. unter Berufung auf die Regula Benedicti eingeschlagen hatten und selber Ausgangspunkt für eine Reformbewegung waren, weil die Benediktiner von der Regel abgewichen waren. Reich und mächtig waren sie geworden, die Cluniazenser. Die Demut vor Gott und ein ehrfürchtiger Glaube, die Grundlagen des mönchischen Daseins, waren weltlichen Gebaren seiner Äbte gewichen; erstarrte Gebetsformeln, Prachtbauten – Bauen für das Beten –, ein riesiges Geldvermögen, Einmischungen von außen, Ämterschacher und ein hohes Ansehen der Äbte, Ausdehnung des liturgischen Dienstes und damit Vernachlässigung der Handarbeit hatten so gar nichts mehr mit der einst gelobten Armut und Demut zu tun.

Diese Verweltlichung betrübten Bernhard und vor allem der Verfall der monastischen Grundidee. Sein Anspruch war die Rückkehr zum benediktinischen Ursprung, des Gebetes und der Arbeit, ora et labora. Das hatte auch der Mönch Robert von Molesme 1098 erkannt, als er mit seinen Brüdern sein Kloster verlies, um sich in einer neuen Gemeinschaft ganz und gar einem strengen Leben nach der Regel des Hl. Benedikt zu unterwerfen.

Bernhards Eifer und Glaubensglut sorgten für diese gewollte Rückbesinnung. Als Abt des Klosters Clairvaux, dieses Amt übte er bis zu seinem Tode im Jahre 1153 aus, gründete er 68 Tochter-klöster; insgesamt entstanden zu seiner Lebenszeit 345 Klöster, so genannte Zisterzen. Bernard entwickelte sich zum einflussreichsten geistigen Leiter seiner Zeit, die schnelle Verbreitung des Ordens war weitgehend sein Verdienst. Bis zum Ende des Mittelalters stieg die Anzahl der Zisterzienserabteien auf mehr als 700 in ganz Europa und Bernhard konnte eine Vielzahl seiner Predigten vorweisen, die natürlich von den Klöstern kopiert worden waren.
Das Kloster Kamp am Niederrhein, 1123 gegründet, erreichte eine etwa gleich große Ausstrahlung wie Cîteaux und Clairvaux. Dutzende von Klostergründungen entstanden auf deutschem Boden: 

Das Kloster Ebrach wurde 1127 als erstes Zisterzienserkloster rechts des Rheines in Deutschland durch die fränkischen Edelfreien Brüder Berno und Richwin gegründet und dem Mutterkloster Morimond unterstellt, Kloster Walkenried 1127 gestiftet, 1129 gegründet (das dritte Kloster in Deutschland), Kloster Altenberg 1133, Kloster Waldsassen 1133, Kloster Himmerod 1134, Kloster Eberbach 1136, Kloster Maulbronn 1138, Kloster Bronnbach 1151, Kloster Schöntal 1157, Kloster Tennenbach [siehe auch hier auf dieser HP] 1158, um nur einige zu nennen. Bei den Gründungen der Klöster Himmerod und Eberbach hat wohl Bernhard von Clairvaux direkt mitgewirkt, sagte mir Bruder Oliver von der heutigen Abtei Himmerod. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ordensgründer
Stephan Harding, 
Robert von Molesme
und Alberich von Cîteaux

 

 

 

St. Benedikt übergibt seine Regel an andere Mönche, 
um 1129

 

 


Grundriss von Clairvaux


In der Carta Caritatis von 1119 wird grundlegend das Verhältnis der zisterziensischen Klöster untereinander geregelt. Aus den gezogenen Lehren von Cluny sollten die Zisterzienserklöster für einen Zusammenhalt nicht einen hierarchischen Klosterverband darstellen, sondern alle selbständig sein und ihren Abt selbst erwählen. Dieser hatte das Kloster nach innen zu leiten und nach außen zu vertreten, so wie es die Regula Benedicti auch vorsieht. In allen Zisterzen sollte die gleiche Regel befolgt werden und die gleichen consuetudines gelten, also eine für alle Konvente verbindliche Auslegung gelten. Zur Sicherstellung einer einheitlichen Lebenspraxis des Zisterzienserordens wurde unter dem Vorsitz des Abtes von Cîteaux das Generalkapitel = capitulum abbatum geschaffen. Es ist das oberste Gremium des Ordens im Bereich der Rechtsprechung und der brüderlichen Unterstützung. Es gewährleistet, dass sämtliche bereits gefassten Beschlüsse sowie die Richtlinien der Carta Caritatis eingehalten werden. Alle Äbte kamen einmal jährlich zusammen, um die Regelaus-legungen zu prüfen und falls erforderlich neu festzulegen. Um die Festlegungen auch überprüfen zu können und um festzustellen, dass es keine Missverständnisse oder Abweichungen bei der Beachtung der Regeln gab, fanden regelmäßige Kontrollbesuche, so genannte Visitationen statt. Weil sich im 12. Jh. auch andere Klostergemeinschaften dem Ordo Cisterciensis anschlossen, wurden durch ausgesandte Abordnungen auch hier Visitationen durchgeführt, die sicherstellten, dass die zisterziensischen Lebensweisen eingeführt werden konnten. 

Als ein kontemplativer Orden führen die Zisterzienser ein äußerlich zweckfreies Leben, um frei zu sein für ihre Suche nach Gott. Ein weltabgeschiedenes Leben und zugleich ein Gemeinschaftsleben innerhalb ihres Klosters, pflegen sie eine einfache und strenge Lebensweise, Hochschätzung der Handarbeit sowie eine kontemplative Innerlichkeit, die sich sowohl im gemeinschaftlichen Chorgebet und im privaten meditativen Gebet äußert.  
Ein hoher Stellenwert nimmt bei ihnen die Marienverehrung ein. Die Mönche sehen in Maria ihre ihnen von Christus, dem Herrn und König, geschenkte Mutter, die sie als ihre Herrin und Königin verehren. Im 12. Und 13. Jh. werden regelmäßig vier Marienfeste begangen, nämlich Mariä Reinigung am 2. Februar, Mariä Verkündigung am 25. März, Mariä Himmelfahrt am 15. August und Mariä Geburt am 8. September.

 


Die uns heute bekannte Regula entstammt nicht der Feder Benedicts, sondern dem Codex sangallensis 914, der vermutlich im Kloster Reichenau oder St. Gallen entstanden ist. Beide Klöster waren sehr eng verbunden. Der Codex sangallensis 914, es gibt noch eine weitere Abschrift: Codex sangallensis 916, ist eine Abschrift einer in Aachen verwahrten Abschrift aus dem Jahre 787, dem so genannten Aachener NormalexemplarKarl der Große gab sie in Auftrag, als er das von den Langobarden um 577 zerstörte und im Jahre 717 wieder aufgebaute Kloster Monte Cassino im Jahre 787 besuchte. Zwischen 577 und 717 wurde die Regula zur Sicherheit in Rom in den päpstlichen Archiven verwahrt. Nach dem Wiederaufbau des Klosters Monte Cassino kehrte die Regula als päpstliches Geschenk wieder dorthin zurück. Es wird angenommen, dass Benedict von Nursia die Grundlagen eines monastischen Zusammenlebens entwickelte, die dann von seinen Nachfolgern erweitert und schriftlich niedergelegt worden sind. 

Das Kloster als Schule für den Dienst am Herrn soll die Novizen auf diesen Dienst vorbereiten. Demut, Gehorsam und Schweigsamkeit sollten ihnen während des Noviziats zur Grundhaltung werden. Nur dadurch war eine Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft in Form der ewigen Profess, usque ad mortem = bis zum Tod, möglich. 

Die Regula regelte den Gottesdienst an Werk- und Sonntagen, im Sommer und im Winter. Nach ihr wurden die Beziehungen des Klosters nach außen und nach innen geregelt. Die tägliche Versorgung, der wöchentliche Dienst, die Gäste- und Krankenversorgung, die Dienst- und Aufnahmeordnung, Bußen und die Strafen bei Verfehlungen, alles war in 73 Kapiteln der Regula Benedicti enthalten. 

Der Tagesablauf ist geprägt von den Gebetszeiten des Stundengebets der Kirche: Vigil, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet. Die erste Gebetszeit findet in den frühen Morgenstunden, meist zwischen 4 Uhr und 6 Uhr statt, die letzte nach Sonnenuntergang. Zentral ist die tägliche Feier der Heiligen Messe. Durch den Gottesdienst, dem nach Benedikt nichts vorgezogen werden soll, wird der Tag der Mönche in Lesung und Arbeit gegliedert. Nach der letzten Gebetszeit beginnt für die Mönche das so genannte große Stillschweigen und die Nachtruhe, die bis zur ersten Gebetszeit des nächsten Tages dauert. 

 

 

In einem Kloster gehört das gesungene Gebet, der Choral, zum täglichen Ritus der Liturgie. So hatte schon Jesus seine Jünger beim Abendmahl zum Singen aufgefordert (Mt 26,30EU und Mk 14,26EU). Auch der Apostel Paulus rief die frühchristliche Gemeinde dazu auf: „Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen …“ (Eph 5,19). Etwa Ende des 4. Jh. sang die Gemeinde kurze Antworten auf den Gesang des Vorbeters, das Responsorium. In den entstehenden Mönchsorden sangen zwei Chöre im Wechsel gegeneinander, Antiphon.  

Zur Zeit Papst Gregors I. gründete sich in Rom die Schola cantorum. Sie pflegte und entwickelte den liturgischen Gesang. Man sang zum Einzug den Introitus und nach der Kommunion die Communio sowie Gesänge für das Stundengebet und Hymnen. Nach Papst Gregor I., ein Förderer der Schola, ist der geistliche Gesang benannt worden - der gregorianische Gesang. Die Ordensregel des Benedikt von Nursia hatte ihn so sehr beeindruckt, dass er sie für die gesamte römisch-katholische Kirche als verbindlich erklärte und selbst auch dem benediktinischen Lebensstil folgte. Freilich sind diese Gesänge viel älter. Ab dem 8. Jh. etwa fing man an sie schriftlich in Codices zu sammeln. Pippin III. und später Karl der Große bestimmten, dass überall im Reich bei den Gottesdiensten die gleichen Gesänge zu hören sein müssten. 

Erste schriftliche Quellen um 800 sind das Graduale von Rheinau, Das Cantatorium von Monza, Mitte 9. Jh. und das Graduale Corbie
Der Codex 121 aus der Stiftsbibliothek St. Gallen aus dem Jahre 923 ist eine der berühmtesten Handschriften in der gregorianischen Forschung. Die Mönche schrieben über die lateinischen Texte bestimmte Zeichen, so genannte Neumen, aus denen der Melodieverlauf und Rhythmus ersichtlich wurde. Und diese Neumen werden auch heute noch neben den später entwickelten Quadratnoten auf vier Linien beim Gesang berücksichtigt. 


"Tu es Deus", Du bist, Gott, aus dem Codex Sangallensis 359, um 922 geschrieben.


"Tu es Deus", Du bist, Gott, in Quadratnotation auf einem Vierliniensystem.

In der Zeit ohne schriftliche Quellen verließen sich die Mönche und die Nonnen nur auf ihr Gehör und ihr Gedächtnis. Heute muss es uns verblüffen, mit welcher Genauigkeit die über 1000 Messgesänge auf diese Weise erlernt wurden.

Der gregorianische Gesang ist ein einstimmiger liturguscher Gesang. Aus seinen Ursprungsländern Syrien und Palästina gelangte er über Byzanz und Griechenland nach Rom und damit ins Abendland. Er ist durchgängig einstimmig, als Chor oder Sologesang, fast immer unbegleitet von Instrumenten und bewegt sich im freien Rhythmus.  
Zwei heute ständig in Gebrauch befindliche Bücher sind das Garaduale Romanum von 1908 und das Graduale Triplex von 1979. Ganz neu in 2010 herausgekommen ist das Kyriale Cisterciense aus dem Stift Heiligenkreuz.

Aus Anlass des Tags des offenen Denkmals am 12. September 2010 belebte die Gruppe Tempora Nostra das ehemalige Prämonstratenser-Kloster in Wenau, nahe Langerwehe. Dort wurden auch die Stundengebete zur Sext, Non und zur Vesper vorgetragen. Beispielhaft sei hier das Stundengebet zur Sext vorgestellt.  

>> Text zum Stundengebet zur Sext

Die Texte der Sext sind der Online-Ausgabe des Brevarium Romanum entnommen. Die Übersetzung der Psalmen ist zu weiten Teillen der Bibelübersetzung des Lateinwiki entnommen worden. Der Rest der Übersetzung erfolgte durch die Gruppe Tempora Nostra.
Die gregorianischen Gesänge entstammen dem Antiphonale Romanum von 1906, das sich sehr stark an den mittelalterlichen Melodien anlehnt. Einzelne Gesänge wurden dem Antiphonale des Prämonstratenserordens entnommen. 


Papst Gregor I.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kloster Wenau

 

 

 

 

 

 

 

In einem Kloster gibt es Brüder, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten besondere Aufgaben und Dienste verrichten. Der Infirmarius ist der Krankenmeister. Er kümmerte sich mit einigen Gehilfen um erkrankte Brüder und um erkrankte Gäste, welche jedoch in einem eigenen Haus, getrennt von den Mönchen, untergebracht waren. Der Cellerariuscella = Raum, ist der Keller- und Küchenmeister. Er ist für den gesamten Klosterhaushalt, für die Geräte, die Kleider, die Einrichtung und auch für die Speisen und Getränke und der Einnahmen verantwortlich. Fleisch von vierbeinigen Tieren wurde eher selten gegessen. Ausgenommen davon waren Schwerkranke oder hochgestellte Gäste. Für die Gästebetreuung ist der Hospitaliter zuständig. Der Abt leitet das Kloster, sein Stellvertreter ist der Prior. Der Dekan steht an dritter Stelle. Er ist zuständig für die liturgischen Abläufe. Für die Novizen ist ein meist älterer Bruder, der Novizenmeister, der die Gabe hat Seelen zu gewinnen, zuständig. Er hilft den Novizennovus = neu, sich in das Ordensleben einzufügen und unterrichtete sie auch in ihrer Erprobungs- und Ausbildungszeit. Vor der Zulassung zur Einkleidung und später vor ihrem Ordensgelübde, der Professprofessio = Bekenntnis, wird der Novizenmeister um sein Urteil gebeten, ob Bedenken gegen den Eintritt bestehen. Der Sakristan, auch Küster, custos = Hüter, Wächter, genannt, hilft dem Priester vor und während der Messe. Er ist zuständig für den Altarraum, die liturgischen Gewänder, Gefäße und Bücher. Ist dem Kloster eine Schule angeschlossen, so hat sie auch einen Scholastikus, einen Leiter dieser Schule. Der Pförtner, meist ein weiser älterer Bruder, ist der eigentliche Wächter eines Klosters. Von ihm werden Reife, Urteilskraft, Präsenz und eine positive Einstellung zu den Menschen erwartet. Vor allem aber muss er in Gott und in seinem Kloster zu Hause sein. Dabei wird er sich an Kapitel 53, 1 der Regula Benedicti halten: "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen". In manchen Klöstern hat er seine Zelle in der Nähe der Pforte.    

 

 

 

 

 

 


Ein Kloster versorgt sich in der Regel mit allem Notwendigen selbst. Daher wird man dort allerlei Handwerker antreffen, so z.B. die Bäckerei, das Brauhaus, die Gärtnerei, die Bibliothek mit Scriptorium, die Mühle, die KüfereiStallungen für Pferde und Vieh, ein Schlachthaus, manchmal auch FischteicheSchustereiDrechslerei. Nicht alle Mönche waren auch Handwerker. Handwerker und auch Tagelöhner wurden in die jeweiligen Werkstätten des Klosters geholt, um dort eben zu arbeiten. Kapitel 57 regelt, wie sie sich zu verhalten hatten. Die allgemeinen Dienste in Küche, Bäckerei, Wasch- und Badehaus, Tischlesedienst, Kapitel 38, etc. wechseln im wöchentlichen Rhythmus.  

Ihre Ordenstracht besteht aus einer weißen, schwarz gegürteten Tunika, schwarzem Skapulier mit Kapuze und weißer Flocke. Das liturgische Mönchsgewand, eine weiße Kukulle, wird zu den Gottesdiensten über dem Alltagsgewand getragen. Die weiße Kleidung soll Ausdruck einer reinen Seele sein. Mit der Einkleidung in ein weißes Habit legen die Novizen ihr weltliches Leben und damit die Pracht und den Luxus ab. Sie erhalten auch einen neuen Namen als Zeichen des Beginns eines neuen Lebens für Gott.

Zur Grundausstattung an Kleidung gehörten im 13. Jh. ein Sommerhabit aus dünner Wolle und ein Winterhabit aus einer dickeren Wolle, zwei Tuniken, ein schwarzer Gürtel = Zingulum, das Skapulier als Arbeitskittel, Socken und ein paar Schuhe. An persönlichen Gegenständen waren ein Messer, das als Besteck und als Werkzeug diente, eine Schreibtafel mit Stylus, eine Nadel und ein Allzwecktuch erlaubt. In Kapitel 55 heißt es: "Die Kleidung, welche die Brüder erhalten, soll der Lage und dem Klima ihres Wohnortes entsprechen“. Auch die Kleiderordnung ist geregelt, wenn ein Bruder auf Reisen geht. Er erhält dann ein besseres Gewand und Hosen/(Bruoche) oder Beinlinge zusätzlich, die er nach Rückkehr gewaschen wieder zurückzugeben hatte. Abgetragene Kleidung wurde durch neue ersetzt; die abgetragenen Kleider wurden dann an die Armen verschenkt.
Die Kleidung der Mönche und Nonnen soll gemäß der Regel einfach sein und damit ihre Demut zum Ausdruck bringen. Die Nonnen trugen ähnliche Kleidung wie die Mönche. Das Obergewand hatte jedoch keine Kapuze. Sie trugen als Kopfbedeckung eine Gebende, das das Gesicht umrahmte und darüber einen Schleier.

 

Backen des täglichen Brotes


Im 12. Jh. galten die Zisterzienser als einflussreichster Orden innerhalb der katholischen Kirche. Sie übernahmen die Bistümer und Legatenämter, die im 11. Jh. von den Benediktinern des Klosters Cluny beansprucht wurden und lösten letztere auch in der römischen Kurie ab. Ferner erbrachten sie einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Leben des Mittelalters, so bei der Urbarmachung von unfruchtbarem Land, Trocknung von Sümpfen und Mooren, Nutzung des Wassers sowie in der Produktion von Getreide und Wolle. Sie beeinflussten die Verbreitung der gotischen Architektur in ganz Europa, kopierten und sammelten viele Handschriften für ihre Bibliotheken. 

Im ersten Drittel des 13. Jh. kamen die Bettelorden Dominikaner der 
FranziskanerKarmeliten, benannt nach dem Berg Karmel in Palästina, und Augustiner auf. Gegen Ende des 13. Jh. setzte dadurch ein Rückgang bei den Klostergründungen der Zisterzienser ein. Dennoch waren die Zisterzienser Mitte des 13. Jh. der größte Orden und in ganz Europa, auf Zypern und in Syrien verbreitet. Auf deutschem Gebiet und in den slawischen Gebieten missionierten sie Heiden, engagierten sich in der Seelsorge und leiteten hier und da auch Pfarreien. Aus ihren Reihen entstammen zahlreiche Bischöfe und Kardinäle. Zisterzienser übernahmen Leitungsfunktionen in der römischen Kurie und stellten sogar Päpste. So war auch Kaiser Friedrich II. nominell Ordensmitglied der Zisterzienser.


Wie alle Kirchen dieser Zeit waren auch die Abteikirchen nach Osten ausgerichtet, nach Jerusalem, dem Mittelpunkt der Welt. Die Einfachheit der zisterziensischen Lebensweise drückte sich auch in ihren Klosterbauten als Reduktion auf eine elementare Form aus. Sie verzichteten mit einer Ausnahme, der Gottesmutter Maria, auf Skulpturen und Ausmalungen wie Bernhard von Clairvaux es forderte. Der Baustil drückte Gleichmaß und Harmonie aus. Nichts sollte vom eigentlichen Ziel, der Erkenntnis Gottes durch das Gebet, ablenken. Die Baumaterialien entstammen der jeweiligen Region. So gehörten die norddeutschen Backsteinbauten der Zisterzienser als neues Baumaterial zu den ersten Gebäuden aus gebrannten Ziegeln. Die Anordnung ihrer Klosteranlagen orientiert sich am St. Gallener Klosterplan
im 9. Jh., einem Idealplan, der sich als funktionale Umsetzung der Benediktusregel darstellt. Das Zentrum der Klosteranlage bilden Kirche und Klausur rund um den Kreuzgang. Die anderen Gebäude, vor allem handwerkliche Betrieb, ordnen sich in ihrer Zweckmäßigkeit da herum an. 


Neben den traditionellen Tätigkeiten, wie der Erneuerung der monastischen Lebensform oder handwerklichen Tätigkeiten, wie die Landrodung und Urbarmachung unwirtlicher Gebiet, legten Zisterzienser umfangreiche Bibliotheken an, gründeten Schreib- und Malschulen und vervielfältigten Handschriften. Betätigten sich in naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Bereichen und pflegten die gelehrte Disputation ebenso wie sie umfangreiche liturgische Schriften anfertigten.  

 

 

 

Rekonstruktion der Abtei

 


St. Gallener Klosterplan
um 800

Ein Kloster ohne Bücher ist wie ein Staatswesen ohne Habe, eine Festung ohne Truppen, eine Küche ohne Geschirr, ein Tisch ohne Speisen, ein Garten ohne Pflanzen, eine Wiese ohne Blumen, ein Baum ohne Blätter.

Gemäß den Statuten des Generalkapitels des Ordens hatte in Scriptorien ein bestimmter Bestand an Büchern vorhanden zu sein. Festgelegt waren: die Heilige Schrift und die Regula Benedicti, ferner Missale, Epistolar, Kollektionar, Graduale, Antiphonar, Hymnar, Psalter, Lektionar und
Kalendarium. Neugegründeten Tochterklöstern, so genannte Filiationen, hatte man diese Bücher zum Kopieren überlassen.


Die Handschriften aus Zisterzienserscriptorien waren stets, von wenigen Ausnahmen abgesehen, schlicht und entsprachen der vom Orden geforderten Einfachheit. Allerdings entstanden in der ersten Hälfte des 12. Jh. in Cîteaux wie in Clairvaux reich illuminierte Codizes, die sich mit Werken zeitgenössischer Schreibschulen anderer Orden messen konnten. Erst in den letzten Lebensjahren setzte sich Abt Bernhard von Clairvaux
entschieden für eine ganz einfache Ausstattung der Ordensbücher ein. Auf seine Veranlassung hin erließ das Generalkapitel etwa um 1150 das Statut
von der Einfarbigkeit der Initialien. Doch wurde diese Regel nur Anfangs für etwa 100 Jahre eingehalten. Lange nach Bernhards Tod am 20. August 1153 lockerten die meisten Skriptorien des Ordens die Einschränkungen wieder.

Handschriften hatten ohne schmückende Miniaturen zu sein, Einbände hatten ohne Prunk wie Edelstein-, Perlen-, Elfenbein-, Edelmetall- oder Emailschmuck zu sein. So beschränkten sich die Werkstätten auf die Herstellung hölzerner Buchdeckel mit Leder- oder Pergamentbezug. Ledereinbände hatte man durch punzieren mit Mustern und Aufschriften, jedoch ohne Farb- oder Goldzier, versehen.
Bekannte zisterziensische Skriptorien auf deutschem Boden waren u.a. Heiligenkreuz bei Wien, Reun in der Steiermark, Kloster Kamp
Kloster Altenberg.  


Bernhard führte scharf formulierte Angriffe gegen Cluny und hielt sich auch sonst nicht zurück bei verschiedenen politischen und kirchlichen Gelegenheiten oder bei seinen Auftritten. Immer wieder verkündete er: "Aufgabe eines jeden Christen ist es, in Demut, Liebe und Geduld zu leben." Sein Wort hatte Gewicht. So auch bei der Gründung des Templerordens Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis - Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem. Er rechtfertigte in seiner Schrift De milites Christi die Kreuzzüge als richtiges Mittel zur Bewahrung und Ausbreitung des christlichen Glaubens. Seine Reden dazu trugen entscheidend zum Beginn des zweiten Kreuzzuges 1140 bei.

 
   



 

Seit 1113 gibt es Zisterzienserinnen, Anfang des 13. Jh. gab es bereits über 800 Frauenklöster doch nahm der Orden nur wenige Nonnenklöster in seinen Verband auf. Die Nonnenklöster des Ordens wuchsen sehr viel schneller als die der Männer. Im 12. und 13. Jh. schlossen sich viele Benediktinerinnen dem neuen Orden an. Die meisten Nonnenklöster unterstanden den Bischöfen, da die Generalkapitel eine Aufnahme ablehnten. Erst ab etwa 1228 ist die offizielle Aufnahme durch Quellen zu belegen. Die Nonnen lebten nach den Satzungen des Ordens. Der Klosterpropst leitete die Gemeinschaft und führte die Geschäfte. Chorgebet, Wirtschaftsführung, Handarbeit und Erziehung der weiblichen Jugend waren die Hauptaufgabengebiete. Die große Zahl der Klöster im Mittelalter beweist auch ihre Beliebtheit. Meist waren diese Klöster in Ortschaften oder Städten, wohl um einen gewissen Schutz zu haben.  

Die religiöse Frauenbewegung des 13. Jh. fand in der strengen Abgeschiedenheit der Zisterzienserinnenklöster einen idealen Raum. Ein Zentrum der Mystik dieser Zeit war das Kloster Helfta, "die Krone der deutschen Frauenklöster“, in dem Mechthild von HackebornGertrud von Helfta und Mechthild von Magdeburg lebten.  

Der Anschluss an einen benediktinischen Orden bedeutete für ein Frauenkloster zumeist einen großen Verlust an Unabhängigkeit, da jedes Frauenkloster dem "Vaterabt" eines Männerklosters unterstellt wurde, der die Einhaltung der Gebräuche und die wirtschaftlichen Belange des Klosters zu kontrollieren und über die Aufnahme von Schwestern zu entscheiden hatte. Andererseits wurden die Frauenklöster von den Männerklöstern häufig sowohl durch Priester als auch durch Laienbrüder (Konversen) unterstützt. 

In Deutschland bestehen noch heute die folgenden Zisterzienser-innenklöster: Kloster Lichtenthal, Kloster Seligenthal, Kloster Thyrnau, Kloster Waldsassen, Kloster Oberschönfeld, Kloster Herz-Jesu, Kloster St. Marienstern, Kloster St. Marienthal und Kloster Helfta. (Siehe auch den WEB-Link zu den deutschen Klöstern)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zur Einhaltung der Regeln fanden regelmäßige Kontrollbesuche, so genannte Visitationen statt

 © Th. E. Wunsch, Remscheid

Quellen

 

Brem, Hildegard; Altermatt, Alberich (Hrsg.): Einmütig in der Liebe. Die frühesten Quellentexte von Citeaux, 2 Bde. Bernardus Verlag, Langwaden 1998.

France, James: The Cistercians in Medieval Art: International Reflections on Contemporary Benedictine Monasticism (Cistercian Studie). Cistercian Pubn 1998

Gleba, Gundra: Klosterleben im Mittelalter. Primus-Verlag 2004

Herzog, Hermann M.; Müller Johannes: Ecclesiastica Officia: Gebräuchebuch der Zisterzienser aus dem 12. Jahrhundert. Langwaden: Bernardus-Verlag, 2003 (Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur, 7)

Lauterer, Kassian; Wagner, Fritz; Zehles, Frank Erich (Hrsg.): Ecclesiastica Officia. Gebräuchebuch der Zisterzienser aus dem 12. Jh. Bernardus Verlag, Langwaden 2003

Roux, Julie; D'Andoque, Nicolas: Die Zisterzienser. Momentaufnahmen. MSM, Vic-en-Bigorre, 1998, Frankreich 

Wilkes, Carl: Die Zisterzienserabtei Himmerode im 12. und 13. Jh. Münster 1924. 

WEB-Informationen:
Codices Electronici Sangallenses (CESG) – Virtuelle Bibliothek
Digitale Stiftsbibliothek St. Gallen 

Zisterzienserabtei Himmerod 

Weitere Links zur Regula:   
Heiliger Benedikt

Benediktinerinnenabtei St. Hildegard

Deutsch Klöster der Zisterzienser

Cisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal
Seit über 750 Jahren beten und arbeiten Cistercienserinnen an diesem Ort die Website bietet sehr viel geschichtlichen Hintergrund 

 

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