Der Zähringer Löwe




© Augustinermuseum Freiburg


Porta Coeli
- Die Himmelspforte. Bis zur Jahrtausendwende nach Christi Geburt war der Schwarzwald, lateinisch: silva nigra, unbesiedelt, wenn man von ein paar Einsiedler am Rande des Waldes einmal absieht. Eine Barriere und durch die dichte urwaldähnliche Bewachsung nahezu Bevölkerungszuwachs, Machtgedanken und Machtstreben der Fürsten, veränderten dies schlagartig. Klöster entstanden, die sowohl Rodungs-tätigkeit, Aufbau einer Infrastruktur, Besiedlungsarbeit und Sicherung von Machtinteressen leisteten. Vor allem die Herzöge von Zähringen, von denen auch die Großherzöge von Baden abstammen, bauten einen großen Staat mit einem vorzüglich ausgebauten Wege- und Straßennetz, mit zentralen Städtegründungen, mit Kloster-Stützpunkten, mit einer
Gerichts-, Abgabe- und Dienstleistungsordnung und mit der Absicht eines frommen Werkes aus und auf. Sie wollten einen Staat aufbauen, der von Burgund über das Oberrheingebiet und Baar bis Schwaben reichte.

1085 erfolgte die Gründung von St. Georgen, 1093 von St. Peter, 1118 von Mariazell lat. Cella Sancta Maria in silva nigra durch Dompropst Bruno von Straßburg und 1118 von  St. Märgen - [der ursprüngliche Name des Klosters: Cella Sanctae Mariae änderte sich über die Jahrhunderte von "Maria-Zell auf dem Schwarzwald" über MergenzellSankt MariaSt. MarienSt. Märijen und St. Mergen zum heutigen Kloster- und Orts-namen St. Märgen.- durch die Hohenberger = Hachberger als Gegenpol gegen die zähringische Machtpolitik, 1123 folgte Friedenweiler. Diese Klöster trieben die Rodungspolitik mit aller Macht vorwärts und oft auch gegeneinander. Der Gründer von St. Peter, Bertold II., seine Nachkommen und ihre Lehnsträger statteten das Kloster reichlich mit Gütern, Einnahmen und Rechten aus. Bald wurden auch die nördlichen und östlichen Gebiete gerodet und besiedelt.
1112 wird Waldau im ROTULUS SANPETRINUS, einer ersten Grenzbe-schreibung, erwähnt. Das Kloster St. Peter besaß also die Grundrechte, übte die Pfarrechte aus und bezog daraus Einkünfte. Die weltliche Obrigkeit hatten aber die Herzöge von Zähringen. 


 

 

 


Nur die Hospitalkapelle zeugt heute noch von der ehem. großen Abtei

 

 

 

 

 

 

 


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B.-W., Nr. 18764

Das um 1160 gegründete Zisterzienserkloster Tennenbach bei Emmen-dingen, Porta Coeli, die Himmelspforte, wie es zuerst genannt wurde, stand unter der Vogtei der Markgrafen von Hachberg, die dort auch ihre Grablege hatten. (Ab 1373 beanspruchten die Habsburger die Vogtei.) Abt Hesso und zwölf seiner Brüder aus dem schweizerischen - damals burgundischen - Kloster Frienisberg erwarben den Grund und Boden in Tennenbach für die Errichtung des neuen Klosters. Das 11. und 12. Jahrhundert ist geprägt durch eine neue Auffassung vom christlichen Glauben und Leben, der vita religiosa.
Der Zisterzienserorden zeichnete sich anfangs durch die strenge Befolgung der benediktinischen Mönchsregeln, besonders durch Strenge und Einfachheit in der Lebensweise aus. Vorbildliche Bodenbewirtschaftung führte bald zu großem Reichtum. Die Zeit Bernhards von Clairvaux
(*1090 - †1153) war auch die Zeit des Übergreifens der Zisterzienser nach Deutschland. Im Laufe des 12. Jahrhunderts nahm die Zahl der Zister-zienserklöster in Deutschland enorm zu. Bis heute ungeklärt ist eine angeblich gefälschte Gründungsnotiz in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Darin werden der Besitz bestimmter Güter und Rechte in der Nachbarschaft Tennenbachs genannt und es wird eine Zeugenliste angeführt, zu der auch Herzog Berthold und Markgraf Hermann III. oder IV. von Baden gehören. Im Privileg Papst Alexanders III. von 1178 sind aber hernach die Rechte und Güter der Zisterzienserabtei Tennenbach aufgeführt worden. Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, soll von weltlicher Seite her für Tennenbach geurkundet haben. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts unterstand das Kloster Tennenbach der am Bodensee angelegten Zisterzienserabtei Salem. Anzumerken ist die besondere, zisterziensische Struktur der Tennenbacher Grundherrschaft in den ersten zwei Jahrhunderten nach der Gründung: vom Kloster in Eigenbewirtschaftung betriebene Ländereien, sog. Grangien, waren wesentlich für das Gefüge des Grundbesitzes, der sich in der Oberrheinebene und im westlichen Schwarzwald konzentrierte, während der Tennenbacher Besitz in der Baar weitgehend davon isoliert war. 

 

 

 

 

 


Bernhard von Clairvaux


Die gegen 1210 fertiggestellte Klosterkirche wurde 1829 abgebrochen und, nach Plänen von Heinrich Hübsch stark verändert, als ev. Kirche in Freiburg wieder aufgebaut. Dort wurde sie 1944 bei einem Luftangriff völlig zerstört. 
Die 1240/50 erbaute Krankenkapelle stand einst im Gebäudeverband und bekam beim barocken Neubau des Klosters eine provisorische Westwand. Sie überdauerte den Abriß des Klosters und steht heute noch als bauliches Zeugnis des Zisterzienserklosters im Tennenbachtal. 
 

1444 wurde Tennenbach von den Armagnaken verwüstet - das Kloster war danach beinahe 30 Jahre unbewohnt. 1525 wurde es im Bauernkrieg verbrannt, später wieder aufgebaut. Trotz der von Marktgraf Karl II. am 1.Juni 1556 eingeführten Reformation in der oberen Markgrafschaft wird das Kloster Tennenbach nicht aufgegeben. Am 15.7.1590 tritt Markgraf Jakob III. von Baden und Hachberg im Kloster Tennenbach feierlich zum Katholizismus über. Einen Monat und zwei Tage später segnet er das Zeitliche, sein Nachfolger und Bruder Ernst Friedrich machte unverzüglich alle kirchenpolitischen Anordnungen wieder rückgängig. 
 

1723 zerstört ein Großbrand die gesamte Klosteranlage mit Ausnahme von Kirche und Kapelle. Ab 1726 wurde das Kloster als regelmäßige Barockan-lage nach Plänen von Peter Thumbs neu aufgebaut. 
1806, einen Monat nach dem Tod des letzten Abtes August Zwibelhofer, wurde das Kloster, nachdem der vorderösterreichische Breisgau an Baden gefallen ist, in der folgenden Welle der Säkularisation aufgelöst. In den Jahren 1813 bis 1814 dient es als Seuchenlazarett. Im Wald hinter dem Kloster befindet sich ein Massengrab aus dem Jahre 1500 der an Ruhr, Typhus und Nervenfieber gestorbenen Soldaten aus Österreich und Bayern.
Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1807 wurde der gesamte Gebäudekomplex allmählich abgeräumt, die Klosterkirche 1829 in Freiburg wieder aufgebaut, so daß am Ort des ehemaligen Klosters nur noch der Chor einer Kapelle von der besitzreichen Abtei Zeugnis ablegt.
 


Die Äbte von Kloster Tennenbach 12. bis 15. Jh.

Hesso von Frienisberg (ca.1160-1177) 
Udalrich (1177-1184) 
Konrad von Zeiningen (1184-1207) 
Berthold von Zähringen (ca.1210-1226)
Rudolf von Zähringen (1226-1256)
Burchard I. von Dusslingen (1256-1260)
Heinrich v. Falkenstein (1260-ca.1279)
Meinward I. von Stühlingen (ca.1279-1297)
Meinward II. v. Münsingen (1297-1317)
Johannes I. von Todtnau (1317-1336)
Johannes II. Zenlin (1336-1353)
Johannes III. Lepus (1353-1368)
Jakob Tanner (1368-1396)
Johannes IV. Mütterler (1396-1421)
Rudolf Zoller (1421-1438)
Martin Soensbach (1438-1448)
Nikolaus I. Rüfflin (1448-1449)
Burchard II. Iselin (1449-1483)
Konrad II. Pfitelin (1483-1490)
Michael Sitz (1490-1508) 

 


Vor der Kapelle steht heute eine Schautafel, die die Lage der Gebäude des ehemaligen Klosters zeigt. Interessant ist auch der Grabstein des letzten Abtes. Gegenüber der Kapelle liegt der Gasthof Engel, ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude des Klosters. Interessant sind die zahlreichen Stiche vom Kloster Tennenbach, die an den Wänden der Gasträume hängen. 

Erwähnt sei noch der Tennenbacher Güterstreit. Irgendwann vor 1180 schenkte der Dienstmann des Herzogs Berthold IV. von Zähringen, Werner von Roggenbach, dem Zisterzienserkloster Tennenbach Güter in Roggen-bach (Unterkirnach), Villingen, Aasen und Dauchingen. Da auch der Herzog über diese Güter zu Gunsten des Benediktinerklosters St. Georgen im Schwarzwald verfügt hatte, kam es nach dem Tod Werners zwischen den beiden Mönchsgemeinschaften zum sog. Tennenbacher Güterstreit, der in den 1180er-Jahren Äbte, Bischöfe, Kardinäle und Päpste beschäftigte. Ein Kompromiß von 1187 sah dann für St. Georgen den Besitz, für Tennenbach die Nutzung Roggenbachs vor, während die Güter in Villingen und Aasen bei den Zisterziensern verblieben, das herzogliche Allod (mlat. Alodium = Eigenbesitz) bezeichnet im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Recht einen Besitz, fast immer Land oder ein städtisches Grundstück, dessen Eigentümer darüber frei verfügen konnte.) in Klengen bei St. Georgen.  

 

 


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Quellen

Eberl, I., Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens, Darmstadt 2002. 

Heyck, E., Geschichte der Herzoge von Zähringen, 1891, Ndr Aalen 1980.

Heyck, E., Urkunden, Siegel und Wappen der Herzoge von Zähringen, Freiburg i.Br. 1892.

Maurer, H., Die Tennenbacher Gründungsnotiz, in: Schau-ins-Land 90 (1972).

Mayer, Landrat Dr. Lothar, "Der Kreis Emmendingen" Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 1981.

Schmidt, Peter, Hrsg. von der Gemeinde Teningen, "TENINGEN - Ein Heimatbuch" 1990.

Schneider, A., Die ehemalige Zisterzienser-Abtei Porta Coeli im Breisgau, 1904. 

Schwineköper, B., Das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Herzöge von Zähringen. Ein Beitrag zur Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters, in: Forschen und Bewahren. Das Etztäler Heimatmuseum in Waldkirch. Kultur- und landesgeschichtliche Beiträge zum Etztal und zum Breisgau, Waldkirch 1983.

Weber, M., Der Tennenbacher Besitz im Villinger Raum, in: MÜLLER, W. (Hg.), Villingen und die Westbaar (= Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg i.Br., Nr.32), Bühl 1972.

 

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